Was haben Schwangerschaften und Abtreibungen mit Sandhaufen zu tun? Diese 3 Punkte zeigen es Ihnen.

Buchtipp Jonas Pfister: Werkzeuge des Philosophierens

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1.

Da liegt ein Haufen Sandkörner, eines wird entfernt, ein Haufen bleibt es dennoch – was ist schon ein Korn! So gut wie nichts, das beweist die nächste Operation:


Ein weiteres Korn wird weggenommen. Der Haufen ist ein Haufen ist ein Haufen. Die Verringerung seiner Anzahl Sandkörner um eines kann nicht dazu führen, dass aus einem Haufen ein Nicht-Haufen wird – umgekehrt gilt dasselbe.

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2.

Jetzt immer so weiter, ein Korn nach dem anderen verschwindet, bis zwei Stück daliegen, bald nur noch eins. Von einem Haufen kann keine Rede mehr sein.


Welches Körnchen gab den Ausschlag? Und falls man Grauzonen, Zwischenstadien benennen wollte: Welches Körnchen markierte hier jeweils den Übergang?


3.

Die Gestaltwerdung des schützenswerten menschlichen Lebens ist ebenso schleichend. Ab wann haben die reproduktiven Mutterleibinterna Anspruch auf freies Geleit, ab wann müssen wir sie unbehelligt geschehen lassen?


Debatten um den spätestmöglichen Termin einer Abtreibung verweisen also auf die als „Haufenparadox“ bekannte, logisch-definitorische Schwierigkeit, exakte Grenzen für qualitative Unterschiede in kleinteiligen Veränderungsprozessen anzugeben. Es handelt sich um die verzweifelte Suche nach der Würde im Zellhaufen.

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Um Paradoxien geht es auch in diesem Buchtipp.

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