Peter Sloterdijk: Jeder ist endlich. Alle sind endlich? "Anthropozän" und Aussterben der Menschheit im philosophischen Bewusstsein. Buchtipp

Philosophischer Buchtipp Peter Sloterdijk, Paul Crutzen: Das Raumschiff Erde hat keinen Notausgang

Werbung

Dem Vorschlag, eine neue Epoche nach dem Menschen zu benennen, verhalf der Mensch erst im Jahr 2000 zum Durchbruch. Viel Bezeichnungs-Geist ging dem voraus, viele andere Zeitalter, mit denen wir wenig bis nichts zu tun hatten, erhielten Namen, allein der Begriff „Anthropozän“ ließ auf sich warten.

 

Mit ihm betritt die Möglichkeit des Aussterbens der Menschheit unser philosophisches Bewusstsein.

Werbung

 

Warum hat es so lange gedauert? Vielleicht weil unser Zugeständnis an uns selbst, als Spezies ein Zeitalter zu bestimmen, die Zeitlichkeit unseres Wirkens insinuiert: Neben den Anfang fügt sich ein Ende. Die Menschen ziehen neuerdings in Betracht, dass sie nicht nur individuell, sondern als Gruppe vorübergehend sind.

 

Temporalität, die sich auf unsere Spezies insgesamt bezieht, nimmt uns die Hoffnung auf infinite Extrapolation des berühmten Zweibeiners ohne Federn in die Zukunft und kränkt unseren narzisstischen Glauben, es wert zu sein, in die Ewigkeit zu ragen.

 

Der Begriff „Anthropozän“ lässt sich als Kronzeugen für unsere moderne Neigung aufrufen, immer weniger nach stabiler, unveränderlicher Substanz zu forschen und immer mehr Dinge einem historisierenden Blick auszusetzen, der eben auch vor verbrecherischer Selbstverstümmelung keinen Halt macht.

 

Erleichtert aufatmen können wir, weil diese Selbstverstümmelung nur den überflüssigen Ballast der Selbstüberhebung eigener Unvergänglichkeit abschneidet und ihre lästigen Begleiterscheinungen auflöst: verbissener, letzter Ernst; Humor- und Distanzlosigkeit; die Unfähigkeit zur großen Ironie.

 

Peter Sloterdijk und Paul Crutzen beleuchten dieses Thema in ihrem gemeinsamen Buch.

Werbung

Dass wir überhaupt sterblich sind, kann man übrigens bezweifeln.

Falls wir es aber sind, sollten wir es lieben - Unsterblichkeit wäre, philosophisch gesehen, kein Gewinn.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0