Porfirio Rubirosa und Gunter Sachs: Was ist ein Playboy? Lebemann und Frauenheld. Buchtipp.

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Buchtipp Andreas Zielcke: Der letzte Playboy

Playboys spielen ihr Leben verschwenderisch glamourös und gefährlich. Porfirio Rubirosa und Gunter Sachs prägten die Assoziationen zu dem Wort: Lebemann und Frauenheld. Viel Geld, viele Affären und viel Action mit dem extraordinären Kick. In diesem Text lernst du, was ein Playboy ist (Affiliate Link) und wie du dem Phänomen näher kommst.

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Playboys schöpfen aus dem Vollen

Dem Playboy liegt folgende Geisteshaltung zugrunde: Verschwende dich, riskier dich, geh aufs Ganze und genieß es. Das Leben – ein Spiel, lustvoll und leidenschaftlich zu gestalten, hingegeben an den Moment.

 

„Des Lebens volle Schalen / Habe ich geneigt an meinen Mund“ heißt es in einem Gedicht von Friedrich Theodor von Vischer, als wollte der Autor des 19. Jahrhunderts das Dasein der späteren Playboys im 20. vorab resümieren.

 

Zumindest dem Reigen unserer Klatschspalten sind elegante Exzesse, übersprudelnder, reueloser Hedonismus von Format und Rang, der ein „vernünftiges Verhältnis zur Vernunft“ (Robert Pfaller) entwickelt, meint: die Vernunft nicht absolut setzt und über alles stellt, kaum noch zu entnehmen. Bis wir auf würdige Apologeten des Playboytums treffen, sind einige Jahrzehnte zurückzugehen. Dann stoßen wir jedoch auf Figuren, die für unverschämte und radikal öffentliche Grenzüberschreitung stehen, für hemmungslosen Spaß mit Stil.

Eine vergangene Ära, von der wir lernen können

Die große Ära ist lange vorbei, viele Protagonisten tot – zuletzt Gunter Sachs, der sich im Jahr 2011 hochbetagt erschoss (wie bereits sein Vater). Die Erinnerung an einen besonders schillernden Vertreter hält Gunter Sachs in seiner Autobiographie aufrecht. Leider vergriffen. Glück haben wir, dass Karl Lagerfeld ein anderes rasantes Büchlein in seiner bibliophilen Reihe beim Steidl Verlag neu auflegt, das ebenfalls so gut wie nicht mehr erhältlich war:

 

„Der letzte Playboy“ von Andreas Zielcke. (AffiliateLink)

 

Wer ist dieser letzte Playboy, von dem der Titel spricht? Ein Name, den vermutlich kaum noch jemand kennt, obwohl von seinem Leben ein betörender, zwielichtiger Glanz ausgeht, der auch die Verknöchertsten unter uns nicht völlig ungerührt lassen dürfte. Gunter Sachs war der hierzulande populärste und mondänste unter den Playboys – aber der andere war der Begründer der Idee, er war der größte und weltweit bekannteste. Vom Nimbus des charmanten Draufgängers umweht, bereitete er den Boden für alle, die nach ihm kamen. Ein leichtlebiger Schnorrer und regelwidriger, fatal sorgloser Bonvivant: Porfirio Rubirosa.

Der wilde Porfirio Rubirosa – Ein Typ, vor dem Töchter und Mütter sich gegenseitig warnen

1909 geboren, rast er bis 1965 durch sein Leben und schließlich mit seinem Ferrari gegen einen Baum in den Tod. Spektakulär sind seine Eroberungen: Die schönsten Frauen wie die Schauspielerin Danielle Darrieux, und die reichsten, etwa Barbara Hutton und Doris Duke, ehelicht er, wobei er großzügige Geschenke wie umgebaute Bomber nicht zurückweist und sie sich gelegentlich auf Rechnung seiner Gattinnen selbst macht.

 

Offiziell angestellt ist er als dominikanischer Diplomat, Diktator Trujillo entlässt Rubirosa jedoch und hetzt ihm Mordkommandos hinterher, weil er dessen Tochter verführt. Später stellt er ihn wieder ein in diversen Positionen, da er glaubt, der allseits beliebte und für seinen türöffnenden Charme bekannte Playboy könnte ihm nützen – weit gefehlt: Der Stinkfaule benutzt seine Positionen, um sich Privilegien zu sichern. Für seine Aufgaben hingegen rührt er sich so gut wie nicht, brüstet sich damit, für Arbeit keine Zeit zu haben.

 

Neben seinen Ehen verzeichnet er Affären mit den weiblichen Stars seiner Zeit: Zsa Zsa Gabor, Jayne Mansfield, Joan Crawford, Ava Gardner, Dolores de Rio und etliche mehr. Zusätzlich ungezählte unbekannte Frauen.

 

Dabei konnte er ihnen nichts von dem bieten, das einem vielleicht zuerst in den Sinn kommt: Geld, Macht, Ruhm. Im Gegenteil: Er nahm diese Güter, zumindest anfangs, von den Frauen. Rubirosa schmiss sich in die große Welt der anderen und wälzte sich darin wie ein galantes Schwein. Geistige Nahrung gab es bei ihm ebenfalls nicht, trotzdem liebten sie ihn, gaben sich willig hin, öffneten Herz und Portemonnaie. Jeder kannte und alle Frauen wollten ihn. Hielt er sich irgendwo auf, strömten sie herbei, um eine Verabredung zu bekommen.

 

Andreas Zielcke erhellt das Phänomen Rubirosa (Affiliate Link) mit Schwung und spart dubiose Zwischenfälle nicht aus. Ein kurzweiliges Lesevergnügen, das in eine berauschende Welt entführt, von der wir Proben der lustvollen Seite des Daseins erhaschen. Freundlicherweise stellte mir der Verlag das Buch, als ich darum bat, zu Rezensionszwecken kostenlos zur Verfügung.

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8 Merkmale eines Playboys

1. Geschwindigkeit

Das schnelle Leben für den Moment – darin sind sie den anderen voraus. Sie setzen, stellen und legen sich in und auf alles, was flott vorankommt: Sportwagen und -boote, Renn-Motorräder, Schlitten und Schlittenähnliches, Skier, Snowboards, Flugzeuge (natürlich im Cockpit) etc. Und stürzen so über die ganz harten Pisten. Immer in Bewegung, auch im Kopf, und immer rascher als die anderen, smarter.

2. Gefahr

Legendär die Szene, in der Gunter Sachs und Brigitte Bardot Sex auf dem Heck seines Rennbootes haben – nachts, bei voller Fahrt und festgestelltem Ruder. Gunter Sachs traf dazu zwei Feststellungen in unterschiedlichen Kontexten: Ein Motorrad kann man auch ohne Helm lenken. Und von ca. zwölf Playboys starben fünf durch Autounfälle.

3. Geschlecht, das er liebt

Vollblut-Romantiker, die die Angebetete bestürmen, und weiterflattern, wenn Amor es verlangt. Ob sie anfangs vergeben ist oder hinterher traurig – nun, das macht melancholisch. Ein schlechtes Gewissen beschert es den "Weiberhelden" und Womanizern nicht. Denn für sich und gegenüber ihren Auserwählten sind sie immer nur eines: aufrichtig in Gefühlsdingen. Nur eben oft Zugvögel.

4. Geselligkeit

Unter ihnen herrschte Freundschaft, sie waren großzügig und liebten das Getümmel. Viele scharten eine Entourage um sich, man sah sie überall dort, wo es hoch herging oder durch ihren Besuch bald hoch hergehen wird.

5. Reisen

An einem Fleck hält es so jemanden nicht. Ihr (Spiel-)Feld ist die Welt. Exotische Orte, mondäne Orte, raue, wilde Orte: Location-Hopping. Wo etwas los ist, trifft man sie, um dem Ganzen den nötigen Zusatzschwung zu verleihen.

6. Schöne Dinge

Zugeneigt den sinnlichen Seiten des Seins, zeigen sie sich (nicht nur, aber eben auch und vorwiegend) empfänglich für alles, was ästhetisches Wohlgefallen auslöst. Bei Gunter Sachs wird es unter anderem die Kunst, früher gesammelt, später noch selbst produziert.

7. Ausgefallene Aktionen

Darf es ein bisschen extravagant sein? Für den Playboy in jedem Fall. Eine riesige Ladung roter Rosen landete, vom entflammten Womanizer Sachs geschmissen, im Garten der Bardot – vom Hubschrauber aus, natürlich. Und das ist nur eine der vielen Verhaltensauffälligkeiten im Leben des Gunter S..

8. Geld

Der Playboy hat viel davon, woher auch immer, seltener aus echter eigener Arbeit. Nur protzt er nicht damit, er nutzt es. Das große Vermögen und die hohen Einkünfte erlauben ihm Bewegungsfreiheit.

Was die alten Playboys wie Gunter Sachs von den heutigen Spaßreichen unterscheidet

Rubirosa, Sachs und die anderen Lebemänner verkörperten Eleganz, kultivierte Menschlichkeit, Lebensfreude jenseits prüder bürgerlicher Moral, Romantik, verruchte Abenteuer und Parkettsicherheit. Wo sie auftraten, vibrierten die Wände. Das, was heute aus dieser Klasse herüberstrahlt, ist zumeist leere, prollige Angeberei ohne Witz und Esprit, ohne Versprechen auf den Zauber großen Lebens. Als die Playboys in den Medien standen, wollte man so sein wie sie. Bei dem, was da heute auftaucht, und sei es reich, denkt man häufig: Zum Glück bin ich nicht so wie die.

 

Zu den „Rittern der verlorenen Zeit“, wie Sachs seine Gefährten in seiner Autobiographie nennt, gehören neben ihm und Porfirio Rubirosa:

 

Prince Ali Khan, Marquis Alfonso de Portago, Gunnar Nelson, Harry Shell, Teddy Stauffer, Freddy McEvoy, Gianni Agnelli, Prinz Alfonso zu Hohenlohe, Oleg Cassini

 

Eine ansehnliche Liste mehr oder weniger bekannter Playboys.

 

Mehr über Andreas Zielckes wunderbares Buch gibt es hier. (Affiliate Link)

 

Aber auch die Autobiographie von Gunter Sachs (Affiliate Link)  empfehle ich – möge das seit Jahren vergriffene und daher absurd hochpreisig gehandelte Werk eines Tages neu aufgelegt werden.

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