Kleine Sprachkritik: Bevor / Solange; Geht nicht, gibt's nicht; Davon kann man nicht genug haben

Mit den in der Überschrift genannten Wörtern und geflügelten Worten haben viele Menschen Probleme, ohne es zu bemerken. Zeit für Sprachkritik.

1. "Bevor" und "Solange"

"Bevor ich nicht die notwendigen Infos habe, kann ich das nicht entscheiden."

 

So hört und liest man oft, wenn der Sprecher ausdrücken will, dass er zunächst bestimmte Informationen braucht, um daraufhin entscheiden zu können. Allein: Er hat das nicht gesagt. Genau genommen, hat er sogar das mystische Gegenteil behauptet: Erst wenn er die notwendigen Infos nicht (mehr) hat, kann er entscheiden.

 

Der Duden wertet zwar die meines Erachtens falsche Form als richtig, tut dies jedoch vermutlich deshalb, weil er sich der logik-agnostischen Mehrheit beugt und sich da in eine verwirrende Bedeutung des Wortes "Bevor" verrenkt. "Bevor" sollte ausschließlich eine zeitliche Abfolge von Ereignissen signalisieren und nicht synonym zu "solange" gebraucht werden, bloß weil das so gut wie jeder tut.

 

Korrekt sind folgende Sätze:

 

Bevor ich die notwendigen Infos habe, kann ich das nicht entscheiden.

Solange ich nicht die notwendigen Infos habe, kann ich das nicht entscheiden.

 

Was auch geht:

 

Bis ich die notwendigen Infos habe, kann ich das nicht entscheiden.

2. Geht nicht, gibt's nicht

Wer an universelle Machbarkeit und die Schönheit von Phrasen glaubt, der wird sich nicht zügeln, die in der Überschrift genannte zu verwenden, um beides zu dokumentieren. Geschieht das in einem geschriebenen Text, erreicht sie den Leser oft in dieser Form: Geht nicht, gibt's nicht.

 

Hier hat der Verfasser jedoch wiederum das Gegenteil seines Optimismus postuliert: Etwas geht eben gerade nicht und - als wäre das nicht schon übel genug - es gibt etwas nicht einmal.

 

Da er sagen wollte, dass alles geht und es ein "Geht nicht" folglich nicht gibt, ist korrekt:

 

"Geht nicht" gibt's nicht.

 

Einige meinen, dass man die Anführungszeichen weglassen könnte. So viel Toleranz würde ich an Laissez-faire-Tagen wohl auch aufbringen. Mit Komma oder anderen Satzzeichen dazwischen aber ist es klar falsch.

3. Davon kann man nicht/nie genug haben

Hier betreibe ich Sprachkritik auf Verdacht. Ich glaube nicht, dass die Sprecher dieses Satzes meinen, was sie sagen, nämlich unendlich fortdauernden Mangel, permanentes Ungenügen, stets zu wenig von etwas.

 

Vielmehr scheinen sie anzunehmen, dass mehr von der fraglichen Sache immer besser ist, auch wenn die vorhandene oder geplante Menge grundsätzlich bereits ausreicht. Die Option des Genügenden trotz des Strebens nach den Wonnen des Überflusses ist jedenfalls philosophisch wohltuend, egal um welches Gut es sich handelt, weshalb wir sie sprachlich nicht eliminieren sollten.

 

Korrekt ist demnach, sofern die Worte tatsächlich keinem Gierschlund entfallen:

 

Davon kann man nicht/nie zu viel haben.

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