Friedrich Nietzsches 115. Todestag:  Philosophie-Genie auf dem Weg zum Wahnsinn. Eine Biographie + Buchtipp

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Buchtipp Rüdiger Safranski: Nietzsche - Biographie seines Denkens

Als der junge Friedrich Nietzsche, dessen 115. Todestag wir am 25. August 2015 begehen, mit einem Kommilitonen in einem Kölner Bordell landete, ignorierte er die Damen und setzte sich an ein Klavier, um ein paar Akkorde anzustimmen. Das machte er oft, manchmal unterhielt der auffällig Begabte seine Zuhörer mehrere Stunden lang mit frei improvisierten Klavierkonzerten.

Die Biographie und den Weg des Denkens dieses außergewöhnlichen Philosophen hat niemand so anschaulich und inspirierend nachgezeichnet wie Rüdiger Safranski in "Nietzsche - Biographie seines Denkens" (Affiliate Link), das bis heute mein Lieblingsbuch überhaupt ist.

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Lehrtätigkeit, Ausgrenzung, das Reisen und Wandern

Gerade 24 Jahre alt, lehrte er bereits Philologie in Basel. Habilitiert hatte er sich jedoch nie, noch nicht einmal einen Doktortitel besaß er. Er wurde einfach so gerufen und zum Professor ernannt, weil er als Wunderkind galt. Bald folgte sein erstes Buch. Es war ein akademischer Skandal und ein künstlerischer Erfolg. Seine einstigen Förderer wendeten sich von ihm ab.


Später schreibt er:

„Ausgezogen bin ich aus dem Hause der Gelehrten: Und die Tür habe ich noch hinter mir zugeworfen. (…) Freiheit liebe ich und die Luft über frischer Erde; lieber noch will ich auf Ochsenhäuten schlafen als auf ihren Würden und Achtbarkeiten. Ich bin zu heiß und verbrannt von eigenen Gedanken: Oft will es mir den Atem nehmen. Da muss ich in’s Freie und weg aus allen verstaubten Stuben.“


Er wurde krank und musste seine Lehrtätigkeit aufgeben. Die Universität gewährte ihm eine schmale Rente, mit deren Hilfe er fortan durch die Welt reiste, immer auf der Suche nach einem Klima, das seine unvorstellbaren Schmerzen lindert. Er wanderte viel, bis zu acht Stunden am Tag. Frauen beschrieben ihn als äußerst höflichen Herren. Aber eine normale Liebesbeziehung wurde nie aus seinen weiblichen Bekanntschaften.


Seine Krankheiten verschlimmerten sich. An manchen Tagen konnte er nur 15 Minuten am Stück lesen, ohne unter Kopfschmerzen und Übelkeit zu leiden. Mittlerweile hatte die Welt ihn vergessen. Er hingegen hielt sich für einen der bedeutendsten Menschen der Geschichte. Er sah sich als einen Gott, der das Christentum verdammt. Schrill und grell waren die Aufschreie aus seiner Einsamkeit.

Friedrich Nietzsches Ende: Zusammenbruch und geistige Umnachtung

Einmal beobachtete Nietzsche durch sein Fenster einen Kutscher, der sein Pferd schlug. Sofort stürzte er hinaus und warf sich dem Tier weinend um den Hals. Er brach zusammen. Der Wirt, bei dem er ein Zimmer gemietet hatte, trug ihn nach Hause.


Eine Haushälterin hörte merkwürdige Geräusche aus seinem Zimmer und schaute durch das Schlüsselloch. Dort sah sie ihn, wie er nackt und singend durch den Raum tanzte. Er brach erneut zusammen. Dieses Mal sollte es für immer sein.


Er wurde in die Irrenanstalt Jena eingeliefert und ein Jahr später zunächst von seiner Mutter und nach ihrem Tod von seiner Schwester in Pflege genommen. Zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs war er 45 Jahre alt. Noch elf Jahre lebte er in geistiger Umnachtung, bis er schließlich starb.

Bedeutung der Philosophie für das Leben

„Mitunter läuft mir die Ahnung durch den Kopf, dass ich ein höchst gefährliches Leben lebe, denn ich gehöre zu den Maschinen, welche zerspringen können“, schrieb er einmal in einem Brief.

 

Friedrich Nietzsche kannte die Faszination des Abgrunds und die Lust am Untergang. Sein erklärtes Ideal war es, auf leichten Seilen über dem Abgrund zu tanzen. Und während herkömmliche Abenteurer in der äußeren Welt unterwegs sind, verlagerte er diese Reisen mit ungewissem Ausgang in seine innere Welt.

 

Äußerlich lebte er erbärmlich: in billigsten Unterkünften frierend und von heftigen Krankheitsanfällen schwer geplagt, kaum soziale Kontakte und wenige Freunde, mit denen er Briefkontakt hielt. Aber sein innerer Ozean stürmte und brauste. Für ihn war sein Denktheater von existentieller Bedeutung. Er erlebte es nicht als getrocknetes Leben, sondern als das eigentliche, richtige, durchblutete Leben. Es war seine höchste Selbststeigerung. Gedanken waren faszinierende Kämpfer seiner geistigen Arena. Sie kämpften gegeneinander, aber auch geschlossen gegen seine Schmerzattacken. Sie konnten die Kraft haben, seinen immensen Schmerzen Paroli zu bieten.


Sein Fall ist ein Beispiel für die große Intensität, die das Denken erreichen kann. Von ihm können wir lernen, unser geistiges Wesen neu zu schätzen. Wir können die Kraft der Gedanken erleben, die Lust des Denkens spüren. Es geht um den Vorzug des Denkprozesses vor den festen, fertigen Gedanken, den Gesetzen. Das zeichnet den Freigeist aus. Alles untergehen lassen und wieder anfangen, immer wieder anfangen und niemals ankommen. Ein immerfort pulsierender Vulkan. „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit“. Am Ende wurde es gezündet, und zunächst hat er sich selbst in die Luft gesprengt. Aber er bleibt gefährlich. Wer ihm glaube, wer ihn wörtlich nehme, der sei verloren, dachte Thomas Mann.

Das endgültige Ende: Verfälschung seiner Gedanken. Weltweiter Ruhm.

Wie geht seine Geschichte weiter? Als er da sabbernd in seinem Krankenhausbett lag, wurde er von seiner Schwester öffentlich ausgestellt. Sie verfälschte seine Gedanken in ihrem Sinne. Sein einsetzender Ruhm ging vollständig an ihm vorbei.

 

Unzählige Bücher sind seitdem über ihn erschienen. Alle Strömungen, mitunter auch die gegensätzlichsten, bedienten sich in seinen Werken, um ihre Ideen mit intellektueller Autorität zu schmücken. Er beeinflusste nahezu sämtliche Künstler des 20. Jahrhunderts. Es gibt Ansteckbuttons mit seinem Konterfei und T-Shirts mit seinen Sprüchen. Er ist der Mensch, dessen Werk die meisten Professoren beflügelt und aufregt.

 

Er ist der meistzitierte, meistgehasste und meistbejubelte Philosoph der Welt.(Affiliate Link)

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Mehr über Friedrich Nietzsches Philosophie im Vergleich mit der von Arthur Schopenhauer.


Außerdem ein kurzer Text über die die Idee der ewigen Wiederkehr des Gleichen.

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