Was ist Philosophie? Definition, einfache Erklärung für Anfänger und Buchempfehlung.

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Buchtipp Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie

Was Philosophie ist und wie eine Definition lauten könnte, mit der viele einverstanden sind, möchte ich im Folgenden für Anfänger beschreiben. Darüber hinaus gebe ich Buchempfehlungen zu Einführungen in die Philosophie (Affiliate-Link), anhand deren man einen ersten Eindruck bekommt und sich die individuell passenden, interessanten Gedankenwelten erschließenden kann. Am Ende des Artikels gibt es eine kleine Liste mit Philosophie-Büchern für Einsteiger.

 

Denn es lohnt sich, auf dieses Fach zurückzugreifen, um sich und die Welt besser zu verstehen, geistig souveräner und kritischer in ihr agieren zu können. Und: Philosophie muss nicht "schwer" sein. Sie ist für die Menschen da.

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Was Philosophie ist, weiß keiner und jeder.

Philosophie ist die einzige Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben - das war die Auffassung von Carl Friedrich von Weizsäcker in seinem Buch "Einheit der Natur". Doch es ist noch viel schlimmer: Sogar die Meinung, bei Philosophie handele es sich um eine Wissenschaft - und nicht etwa um eine Kunst -, ist hoch umstritten.

Das Bonmot spricht etwas aus, das man niemals, wenn man sich der Philosophie nähert, vergessen darf: Alles, wirklich alles, eben sogar bis zur Definition des Faches, ist kontrovers.

 

Die Denker konnten sich bisher außerdem nicht einigen, was ein philosophisches Problem ist und wie man solche Probleme löst. Sie disputieren auch darüber, ob es sich dabei um ewige, globale (jeden Menschen betreffende) Probleme handelt oder ob jede philosophische Frage zeit- und ortsgebunden ist. Von Großbegriffen wie "Wahrheit", "Realität", "Erkenntnis" etc. gar nicht erst zu reden.

Es gibt praktisch keinen philosophischen Wissensbestand, den man vorbehaltlos lehren und lernen kann. Zu den allermeisten Grundsatz- und Spezialfragen werden renommierte Stimmen laut, die Gegenteiliges behaupten. Übrigens: Schon wer behauptet, es gebe Grundsatz- und Spezialfragen, macht sich angreifbar und wird mit Sicherheit angegriffen werden.

 

Ein beliebtes Spiel ist es daher, seine eigene Philosophie als DIE Philosophie darzustellen und Kollegen auszugrenzen.

 

Für den Anfänger ist das verwirrend und abstoßend. Nach dem ersten Elan und einer sanft entfachten Neugier entschlummert seine Motivation schnell, wenn er sich auf seiner Lernreise fühlt wie schutzlos ausgeliefert einem wilden Ozean, der nichts Greifbares, Sicheres bietet und festes Land nur vortäuscht.

 

Das soll uns aber nicht betrüben. Wir nähern uns dem Ganzen in verdaulichen Häppchen. Wir beginnen mit einem kurzen, prominenten Video von Dr. Christian Weilmeier, der in seiner geerdeten Art in wenigen Minuten ins Thema leitet:

Erkenntnisse über die Wirklichkeit. Wirklich?

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Weilmeier erzählt hier etwas, dem sicherlich viele zustimmen würden. Einige, unter anderem ich, jedoch nicht. Angeregt durch Philosophen wie Friedrich Nietzsche und Richard Rorty neige ich der Behauptung zu, dass Philosophen nicht die Wirklichkeit erkennen, sondern nützliche Bilder von der Wirklichkeit erschaffen. Es ist mehr ein Erfinden als ein Finden, nicht nur beim Philosophen. "Erkenntnistheorie" halten diese Leute für einen populären Irrweg und für grob überschätzt. Aber da das hier ein Ort für Philosophie-Anfänger sein soll, gehe ich darauf (noch) nicht weiter ein.

Weilmeiers Betonung der Strenge des Denkens ist hilfreich. In der Tat: Genau sein, sich präzise ausdrücken, gerade weil es in dem Fach um abstrakte Dinge geht, das lernt man. Seine Forderung, dass das, was ein Philosoph sagt, andere durch Vernunft nachvollziehen können müssen oder es keine Philosophie ist, ist gut gemeint, aber schwer zu realisieren. Es wird immer Kritik geben, manchmal an der logischen Schlüssigkeit, manchmal an anderer Stelle.

 

Weilmeier weiß das natürlich, nehme ich an. Daher meine Frage: Welche Mindestmenge an Zustimmung bei zurechnungsfähigen Hirnen muss denn erreicht sein, damit etwas Philosophie genannt werden darf (und nicht etwa Religion o. ä., wobei Religion mutmaßlich einen größeren Konsens herstellen kann als philosophsiche Auffassungen)?

Für die eiligen Anfänger: Knappe Definition von Philosophie

Philosophie, wörtlich etwa "Liebe zur Weisheit", ist eine kritische Reflexionsinstitution, die sich unter dem Bekenntnis zur säkularen, nicht-religiösen Argumentation deskriptiv und normativ mit den fundamentalen Selbstverortungen des Menschen beschäftigt, im Kleinen wie im Großen. Philosophen können daher "überall mitreden, ohne je zuständig zu sein", wie Andreas Urs Sommer in einem seiner Bücher feststellte.

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Einführungen in die Philosophie

Professor Hoyningen-Huenes insgesamt sehr ausführliche Einführung in die theoretische Philosophie ist empfehlenswert, da er die Kontroversität des Faches betont und sehr lässig mit dem umgeht, was die großen Denker so von sich geben.

 

Ich verlinke dir hier den ersten Teil der ersten Vorlesung. Für die gesamte Strecke braucht man Geduld, aber es lohnt sich.

Sie wurde an der Uni für Studenten gehalten, entsprechend kannst du eigentlich bis zu Minute 9:30 vorspulen, denn vorher behandelt er Formalien des Studiums:

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Zu Hans Joachim Störigs "Kleine Weltgeschichte der Philosophie" geht es hier entlang. (Affiliate-Link)

Wozu dient Philosophie im Unterschied zu Ratgebern?

Jedes Individuum und jede Gesellschaft verfügen über eine Werterangliste, über eine Hierarchie erstrebenswerter Güter, Lebensarten und Verhältnisse. Diese wiederum beruhen auf Selbst- und Weltbildern, wenn man so will: auf Ideologien.

 

Wenn klar ist, welche Werte warum auf dieser Rangliste verzeichnet sein sollen, welchen Platz sie jeweils einnehmen und was sie bedeuten, dann schlägt die Stunde der Ratgeber, die uns erklären, wie wir die einzelnen Werte erfüllen. Sobald es aber Probleme mit der Werterangliste gibt, individuell oder gesellschaftlich, etwa weil die Auswahl der Güter und ihre Wichtigkeit unklar ist, wir sie nicht richtig verstehen oder sie miteinander konfligieren, dann tritt die Philosophie auf den Plan bzw. dann nennen wir die sich daraus ergebenden Gespräche mit sich selbst und anderen "philosophisch".

 

Einfaches Beispiel: Du willst reich werden und frei sein, weißt aber nicht, wie du das schaffst. Also brauchst du Hilfe, um dein Ziel zu erreichen. Sobald du aber materiellen Reichtum grundsätzlich oder in seiner Wichtigkeit in Frage stellst - warum auch immer -, philosophierst du bereits. Falls du keine oder eine unzureichende, gar schlechte Vorstellung davon hast, was "frei sein" meint, und wissen willst, was das heißen könnte in einer Welt voller Begrenzungen, dann ist das ebenfalls Philosophie.

 

Also:

 

Reflexionen über das Erreichen existenziell wichtiger Ziele = Das große Wie = Ratgeber

 

Reflexionen über existenziell wichtige Ziele an sich = Das große Was und Warum = Philosophie

 

Mit der kleinen Einschränkung: Natürlich geben auch Philosophen bisweilen Gründe für ihre Thesen vor, die schon wie Anleitungen anmuten und manchmal so wirken können. Auf mich etwa hat die saloppe Feststellung Epikurs, dass uns der Tod nichts angehen muss, weil wir nicht sind, wenn er ist, und wenn er ist, wir nicht (mehr) sind, blitzartig zum Nachdenken und im Anschluss zur Gelassenheit geführt.

Philosophie als Kritik

Philosophie, meinte Hegel, ist ihre Zeit in Gedanken gefasst. Ich ergänze: in kritische Gedanken gefasst, wenigstens im Idealfall. Manchmal kann sie deshalb auch 1 Minute über ihre Zeit hinausweisen - nach vorne oder nach hinten.

 

Philosophie wartet nämlich nicht immer brav ab, bis Zweifel am Pfeil des Lebens aufkommen, um dann zu reagieren. Sie kann diese Zweifel aktiv schüren und stellt so eine Gefahr für alle dar, die ein Interesse daran haben, den Zeitgeist zu betonieren.

 

Nietzsche hat sich als Philosoph expliziert, der mit dem Hammer Werte abklopft und falsche zerschlägt, und einer, der Philosophie ebenfalls als "Verunsicherunsgunternehmen" begreift, ist der schon erwähnte Andreas Urs Sommer, dessen Buch "Die Kunst des Zweifelns" (Affiliate Link) ich empfehle.

Fazit: Glaubt mir nichts!

Das Eingangszitat von Weizsäcker aufgreifend, bleibt mir zu betonen, dass sich auch zu meiner kleinen Darstellung hier zahlreiche Adepten und Apologeten anderer Denkschulen finden werden, die meinen, dass das Käse ist und an der Essenz des Gegenstandes vorbeischlittert.

 

Ich denke aber, dass meine Empfehlung für Störigs Buch zur Einführung (Affiliate Link) halbwegs konsensfähig sein dürfte.

Philosophie-Bücher für Einsteiger

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In der Philosophie gibt es haufenweise Spezialthemen. Ein recht aktuelles ist die Frage Realismus vs. Konstruktivismus - bzw. "Neuer Realismus", wie ihn Markus Gabriel erfunden hat und vehement vertritt. Zu diesem Thema findest du hier einen kritischen Essay.

Teile das doch ruhig mal mit anderen!

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Kommentare: 3
  • #1

    Königin von Preußen (Freitag, 19 Februar 2016 22:49)

    Für eine Anfängerin in Sachen Philosophie wie ich es bin, war dieser Text ein guter Einstieg, der Lust auf mehr gemacht hat. Besonders gut fand ich den relativ umgangssprachlichen Ton, mit dem du alles erklärt hast. Die Philosophie ist ja gern mit Fremdwörtern und komplizierten Satzgebilden gespickt und durch deinen Text habe ich wirklich mehr verstanden. Ich hoffe, daraus wird eine ganze Reihe!

  • #2

    AlexJ (Samstag, 20 Februar 2016 12:42)

    Blaublütiges Lob, na danke! Freut mich, wenn es süffig war und Lust auf mehr machte. Gut möglich, dass in loser Frequenz einige Denker hier vorgestellt werden, muss ich mir mal überlegen.

  • #3

    Henri Pose (Sonntag, 15 Januar 2017 13:07)

    Sehr anschaulich und gut geschrieben. Großes Lob!