Entnahmeplan-Faustformeln für mein ETF-Portfolio in der Rentenphase

Ganz ehrlich: Du weißt nicht, wie du dein ETF-Portfolio in 20, 30 oder 40 Jahren entsparen wirst.

 

Ich für mich weiß es auch nicht.

 

Ich habe mir diverse Meinungen und Berechnungen dazu durchgelesen und ein paar grobe Heuristiken für drei verschiedene Entnahme-Phasen destilliert, die mir helfen sollen.

 

Denn eines ist wichtig: Es darf nicht kompliziert sein.

Annahmen zum Entsparen der ETFs

Dauer der Entnahmephase: 25 Jahre

 

Kalkulierte Lebenserwartung: 90 Jahre

 

Vermögen bei Ende: 0 Euro sind in Ordnung, es darf aber auch etwas übrig bleiben.

Zum Rentenbeginn

Umschichtung des Portfolios:

 

50 % Aktien-ETFs

 

50 % kurzfristige Staatsanleihen höchster Bonität in meiner Hauswährung (voraussichtlich also Euro) und Tagesgeld

 

Zukünftige Entnahmen folgen diesem Prinzip:

 

Lief die Börse gut, werden mehr Aktien-ETFs verkauft, lief sie schlecht, mehr Staatsanleihen-ETF. Das ist nicht nur vernünftig, sondern hilft auch, die 50/50-Zielallokation beizubehalten (Re-Balancing).

3 Phasen bei der Entnahme

Phase 1: 0 - 5 Jahre

Entnahmerate für das laufende Jahr = Nominalrendite des vergangenen Jahres

 

Allerdings mit Obergrenze für die Rendite-Entnahme von 8 %. Liegt die Nominalrendite über 8 %, entnehme ich maximal 8 %.

 

Ist die Rendite negativ, will ich maximal 3 % entnehmen. Am besten so wenig wie möglich.

 

Durch Nicht-Berücksichtigung der jeweiligen Inflation verbrauche ich bereits real einen Teil meines Vermögens.

Phase 2: 6 - 10 Jahre

Entnahme für das laufende Jahr = 80 % des Depotwertes zum Ende des vergangenen Jahres/Verbliebene Jahre bis zum (voraussichtlichen) Ende der Entnahmephase

 

Warum nicht 100 % des Depotwertes? Die abgezogenen 20 % sind ein Risikopuffer, falls ein Börsencrash kommt.

Phase 3: 11 - 25 Jahre

Entnahme für das laufende Jahr = Depotwert zum Ende des vergangenen Jahres/Verbliebene Jahre bis zum (voraussichtlichen) Ende der Entnahmephase

 

 

Meine Überlegungen zum Entsparen im Alter befinden sich noch am Anfang. Die hier skizzierten Ideen sind ein erster Aufschlag, den ich ggf. noch optimiere, ohne ihn zu verkomplizieren.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über ein ETF-Portfolio zur Altersvorsorge

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Stefan (Montag, 29 April 2019 15:54)

    Hi Alexander,

    ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen. Sehr gut, weiter so! Ich beschäftige mich ebenfalls seit einiger Zeit mit dem Thema und habe bereits ein gutes ETF Portfolio am laufen - für die Altersvorsorge.

    Über das Thema "Entnahmephase in der Rente" habe ich in der Tat wenig gefunden. Daher fand ich deinen Artikel umso interessanter.

    Ich habe mir folgendes überlegt: Wäre es nicht möglich, den Sparplan im Alter einfach "umzudrehen", d.h. gedanklich zahle ich mir zuerst die "älteste" Tranche meines Vermögens, welche ich damals vor 30 Jahren eingezahlt habe, aus (natürlich inkl. Zinseszins).

    Ob man überhaupt Anleihen braucht, weiß ich nicht. Wenn man weiterhin im Aktienmarkt drin bleibt, hat man ja auch längerfristig das Renditepotenzial auf seiner Seite.


    Was meinst du?


    VG,
    Stefan

  • #2

    AlexJ (Montag, 29 April 2019 20:43)

    Hey Stefan, danke dir für den Kommentar, origineller Ansatz für die Auszahlung.

    Allerdings kann ich nicht erkennen, weshalb man sich dem so schematisch nennen sollte. Deine Idee hat ja wenig mit den zum Renteneintritt geltenden Gegebenheiten zu tun, sondern verfolgt ein starres Prinzip, das zudem dazu führen dürfte, dass man am Anfang ziemlich viel - zu viel - Geld ausgibt, da ja die am längsten im Depot verweilenden Beträge am meisten Rendite abgeworfen haben dürften im Regelfall.

    Gleichzeitig kann es auch sein, dass man, warum auch immer, im Laufe seines Lebens eine anders gelagerte ungünstige Einzahlungs- und Renditehistorie hat, deren chronologisches Auszahlen sich nicht anbietet, da man zu viel oder zu wenig entnimmt. Ich denke, ich werde dann einfach auf die dann geltenden Tatsachen schauen und beschließen, wie ich es genau mache.

    Anleihen (und zwar Staatsanleihen mit kurzer Restlaufzeit und höchster Bonität in meiner Heimatwährung, also Euro) brauche ich nach heutigem Stand am ehesten dann, wenn der Anteil die Höchstgrenze des deutschen Einlagensicherungsfonds überschreitet. Grund: Bankguthaben über der Summe sind unbesicherte Kredite an einen Schuldner mit mittelmäßiger Bonität (=die Bank, bei der man das Guthaben hat).