Buchrezension "Die genial einfache Vermögensstrategie" von Martin Weber u. a.

Prof. Martin Weber bildet mit Dr. Gerd Kommer und Prof. Hartmut Walz die Trias der in der breiten Öffentlichkeit bekannten Finanzexeperten, deren Geldanlage-Empfehlungen für Privatanleger wissenschaftlich fundiert sind. Martin Weber hat jetzt zusammen mit seinem Team ein neues Buch veröffentlicht, das die Argumente für passives Investieren in ein Weltportfolio auf den Punkt bringt und jedem Anleger hilft, seine persönliche "genial einfache Vermögensstrategie" zu entwickeln.

Die Überlegenheit des passiven Weltportfolio-Ansatzes

Das zusammen mit Heiko Jacobs, Christine Laudenbach, Sebastian Müller und Philipp Schreiber Werbung verfasste Buch, jetzt bei Campus erschienen, ist eine Schule der wissenschaftlichen Strategiefindung bei der Geldanlage. Zum Glück überrascht es im Kern nicht: Was seit etwa 60 Jahren von der unabhängigen, mit mehreren Nobelpreisen geehrten Kapitalmarktforschung in hunderten bis tausenden Studien belegt wird, hat nach wie vor Bestand und weist eindeutig in die Richtung des passiven Investierens in ein Weltportfolio. Das Autorenteam bringt diese Erkenntnisse knapp und verständlich auf den Punkt und zieht daraus glasklare Schlüsse für die praktische Relevanz.

 

So sind die Ausführungen zur Informationseffizienz der Märkte, dem zentralen, aber kontraintuitiven Credo aller passiven Investoren, eine Bereicherung auch für diejenigen, die die Theorie bereits kennen und akzeptieren. Neulinge profitieren natürlich erst recht.

Behavioral-Finance-Forschung zum Ausmerzen von Anlegerfehlern

Mit der Wucht nüchterner Wissenschaftler präsentiert das Autorenteam psychische und kognitive Konstitutionen, die unseren Finanzentscheidungen einen ungünstigen Drall ins Irrationale und Vermögensschädliche verleihen - manchmal meint der Leser die Autoren über ihren Forschungsgegenstand auch schmunzeln zu sehen. Wer seine Fehler durch dieses Buch kennenlernt, hat zumindest die Chance, sie sich abzugewöhnen. Hier gibt es gute Gelegenheiten zur Selbsterkenntnis, die sich in einer besseren Geldanlage niederschlägt.

Was können erfahrene passive Investoren von dem Buch lernen?

Die Ausführungen zum stark risiko- und kaum renditesenkenden Effekt von Investment-Grade-Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeit (global in Euro gehedged oder ausschließlich auf Euro lautend) als Beimischung im risikoreichen Portfolioteil fand ich eindrucksvoll. Wer die volle Aktienmarktrendite will, wird darauf verzichten, sollte aber im Hinterkopf behalten, wieviele zusätzliche Volatilitätsschmerzen die letzten Prozentbruchstücke Rendite ihm bereiten.

 

Darüber hinaus liefert das Buch bedenkenswerte Zahlen zu Rohstoffen und Factor Investing. Von vielen Faktoren scheint seit ihrer Bekanntwerdung wenig übrig geblieben zu sein. Das ist zwar kein Grund, jetzt aktiv gegen Faktoren zu wetten - also etwa die Small Caps auszuklammern -, aber man kann noch etwas beruhigter plain vanilla investieren, ohne sich ex ante über etwaige Renditeverluste grämen zu müssen.

 

Außerdem widmen sich die Autoren ausführlich dem Investieren im Ruhestand und geben Anlegern wertvolle Hinweise an die Hand, um zu entscheiden, wie die beste Strategie für diese Lebensphase aussieht. Überrascht hat mich vor allem die Rendite, die eine 100 prozentige Anlage des Vermögens in ein risikoreiches 60/40-Aktien-Staatsanleihen-Portfolio bei einer kontinuierlichen z. B. jährlichen Entnahme bietet. Dieser Teil des Buches hätte gerne laienfreundlicher ausfallen dürfen. Das gilt insbesondere für die dritte von drei Entspar-Strategien, die als grundsätzlich attraktivste erscheint: Wie genau soll ich jetzt konkret Jahr für Jahr entsparen? Mir war nicht ganz klar, wie die Raten zustandekommen, und auf die Anwendung der Annuitätenformel dürften die wenigsten Privatanleger Lust haben. Dennoch: Ein ungemein nützliches Kapitel.

Fazit: Sehr guter Basis-Vermögensratgeber für alle Lebensphasen

Auf gut 200 Seiten vermitteln Martin Weber und seine Kollegen alles Nötige, um Werbung gute Anlageentscheidungen zu treffen. Ganz anspruchslos geht das natürlich nicht, doch eine vertiefte Beschäftigung lohnt sich gerade für Anfänger - obwohl auch passive Investoren etwas lernen, die schon länger mit dabei sind.