Was ist ein ETF, was sind seine Vorteile? Und was ist passives Investieren?

„ETF“ steht für „Exchange Traded Fund“, es ist also ein börsengehandelter Fonds: Man kann ihn wie andere Wertpapiere an der Börse kaufen und verkaufen, nach einem extra für ETFs entwickelten Prozess.

ETFs sind Indexfonds, das heißt, sie bilden die Entwicklung eines jeweils definierten Index ab, statt einzelne Wertpapiere wie z. B. Aktien auf Basis einer Analyse des einzelnen Wertpapiers auszusuchen, um gegenüber dem Markt eine Mehrrendite zu erzielen. Es gibt also kein Fondsmanagement, das versucht, den Markt zu schlagen. Ein ETF soll möglichst eng an seinem Referenzindex liegen, in guten wie in schlechten Zeiten.

 

Mit einem ETF legt man sein Geld in ganzen Märkten an, indem man über einen einzigen Fonds in zahlreiche einzelne Aktien investiert, die in ihrer Gesamtheit die Wertentwicklung des Referenzindex nachvollziehen sollen.

 

Am Rande: Der Begriff „ETF-Fonds“, der gerne verwendet wird, ist im Grunde Blödsinn, weil im Wort „ETF“ der „Fonds“ schon enthalten ist.

Was sind die Vorteile von ETFs?

ETFs haben drei wesentliche Vorteile:

1. Niedrige Kosten

Ein ETF verlangt dramatisch niedrige Kosten. Die TER (Total Expense Ratio = Gesamtkostenquote) hängt von verschiedenen Faktoren ab und liegt im Regelfall zwischen 0,2 % und 0,5 % pro Jahr, Tendenz fallend. Ein aktiv gemanagter Fonds kann leicht locker 1 Prozentpunkt mehr veranschlagen, gerne auch darüber.

 

1 Prozentpunkt klingt nicht viel? Das gönnst du der Finanzindustrie, weil dein seriös und smart wirkender Bankverkäufer so freundlich ist, dir Kaffee anbietet, und du magst dann auch so ungerne „Nein“ sagen und dem armen Hansel eine Absage erteilen?

 

Hier ein Rechenbeispiel, wie großzügig du wirklich verzeihst, wenn du so denkst und zu schwach bist, um Widerstand zu leisten:

 

Startkapital: 10.000 Euro

Jährliche Sparrate: 4.000 Euro

Laufzeit: 35 Jahre

 

Ich habe einen Vermögensendwert für nicht unrealistische Jahresrenditen angenommen und darunter geschrieben, was herauskommt, wenn sie jeweils 1 Prozentpunkt pro Jahr niedriger ausfallen. Die Angaben sind auf volle Tausender gerundet, um eine schnelle Übersicht zu gewährleisten.

Jahresrendite 4% 5% 6% 7% 8%
Vermögens-endwert 334.000 416.000 523.000 660.000 837.000
Vermögens-endwert 1 Prozentpunkt weniger 270.000 334.000 416.000 523.000 660.000
Differenz 64.000 82.000 107.000 137.000 177.000
Prozentualer Abzug 19,2 19,7 20,5 20,8  21,1

1 Prozent, das du z. B. aufgrund von höheren Kosten jährlich weniger einfährst, wirkt sich gewaltig auf dein Vermögen am Ende deiner Sparphase von 35 Jahren aus. Du hast rund 20 % weniger, was in absoluten Zahlen viele zehn- oder sogar hunderttausend Euro sein können. Der (negative) Zinseszins-Effekt schlägt voll zu. Deshalb lohnt sich Kostenreduktion.

 

Und 1 % ist noch vorsichtig gerechnet, wie gesagt. Je größer die Spanne, desto schlagender der Effekt. Und je größer deine Sparsummen und die Anlagedauer, desto gravierender wird der Unterschied.

 

Als Bonus: Der bei aktiv gemanagten Fonds übliche hohe Ausgabeaufschlag entfällt bei ETFs. Dieser wird von den aktiv gemanagten beim Kauf berechnet und kann 5 % betragen.

 

Klingt wieder nicht viel und ist nur einmalig? Ja. Aber täusche dich nicht: Der ETF-Anleger galoppiert auch wegen dieses scheinbar marginalen Kostenpunktes, den er nicht hat, meilenweit davon.

 

Aber Moment – wenn der aktiv gemanagte Fonds gegenüber dem ETF dauerhaft mehr Zusatzrendite erzielt, als er an Mehrkosten aufruft, dann lohnt sich das doch! Genau das ist das Versprechen von aktiven Fonds. Für diese Leistung wollen sie so fürstlich bezahlt werden.

 

Sie erbringen die Leistung nur leider nicht. Siehe nächster Punkt.

2. Hohe Rendite

Obwohl ein ETF explizit nicht das Ziel hat, den Markt, also den Durchschnitt, zu schlagen, werden langfristige Anleger eines breit diversifizierten ETFs überdurschnittliche Renditen einfahren, verglichen mit den Renditen von Anlegern in klassischen, aktiv gemanagten Fonds.

Dazu einige Fakten über aktiv gemanagte Fonds, die empirisch gut belegt sind:

  • Eine gewaltige Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds schlägt ihren korrekt gewählten Benchmark-Index nach Abzug aller Kosten sehr eindeutig nicht.
  • Die wenigen, denen es in einem einzelnen Jahr gelingt, sind mit überwältigender Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren nicht mehr unter den Überperformern, sondern eher sogar bei den Losern. Es ist nicht vorhersehbar, welche Fonds dazugehören werden, weshalb es auch unmöglich ist, die wenigen jährlichen Gewinner systematisch herauszupicken.
  • Bis man wirklich davon ausgehen kann, dass ein Fonds auf Basis von überlegenen Fähigkeiten zuverlässig den Markt schlägt, müssen viele Jahrzehnte vergehen – die wir leider nicht haben. Und selbst dann ist es nicht gesagt, dass die Erfolgssträhne anhält. Alle anderen Top-Performances sind sowieso reiner Zufall, mathematische Notwendigkeit und nicht prognostizierbar. Die typischen 5-Jahres-Charts, die man in den Marketingunterlagen der Finanzindustrie zu sehen bekommt, taugen absolut nicht zur Bewertung eines Fonds.

Aktiv gemanagte Fonds können ihr Nutzenversprechen nicht halten. Sie entwickeln sich vor allem nach Abzug ihrer Kosten langfristig schlechter als simple ETFs auf ihren Benchmark-Index. Unterhaltsam war dazu die 10-Jahres-Wette zwischen Warren Buffett und einem Hedgefonds-Manager, die in 2018 endete.

 

Für Privatanleger, die selbst direkt in einzelne Aktien investieren, gibt es Studien, die zu ähnlich katastrophalen Ergebnissen kommen. Sie performen sogar noch schlechter als die aktiv gemanagten Fonds.

3. Geringeres Risiko durch breitere Diversifikation

Über einen ETF kann man bereits mit kleinen Summen in ganze Märkte investieren und so sein Risiko über Branchen, Regionen und Unternehmensgrößen breit streuen, weil man an sehr vielen, oft mehreren tausend einzelnen Titeln partizipiert. Kein Vergleich zu dem Gehühnere in typischen Kleinanleger-Depots: ein Sammelsurium aus 4 bis 20 Aktien, die dann krass schwanken und auf die man ständig achten muss.

 

Aus diesen Gründen rühre ich aktiv gemanagte Fonds und ein Engagement in Einzeltiteln nicht an. ETFs, die gar nicht erst versuchen, den Index zu übertrumpfen, sind gerade deshalb den anderen Fonds und auch fast jedem Stockpicker langfristig überlegen. Mit richtig gewählten ETFs gehöre ich, glaube ich, dauerhaft zum oberen Fünftel aller Anleger – ohne viel tun zu müssen.

 

Es gibt auch ETFs, die kein Mensch braucht. Dazu zählen meines Erachtens alle, deren Referenzindex nur aus wenigen Titeln besteht, etwa unter 100, und die zusätzlich zu dem Übel ein großes Gewicht auf eine Handvoll Titel legen (ja, einen DAX-ETF empfehle ich ausdrücklich nicht), sowie alle Sektoren-, Branchen- oder Mode-ETFs: Ethik, Demografie, Technologie und was der Späße mehr sind und noch sein werden. Ich glaube, dass diese Dinger ein verdammt schlechtes Risiko-Rendite-Profil haben.

 

In dieser Artikelreihe stelle ich dagegen eine ganz einfache Methode vor, sich in den Kapitalmärkten aufzustellen: passives Investieren.

Kurze Definition: Was ist passives Investieren in ein ETF-Weltportfolio?

Passives Investieren in ein Weltportfolio meint definitionsgemäß: den Weltaktienmarkt nach Marktkapitalisierung oder BIP gewichtet kaufen und sehr langfristig halten.

 

Nicht mehr, nicht weniger.

 

Wer an Factor Investing glaubt, wird einige Aktien oder Regionen in bestimmtem Maße übergewichten (und damit andere untergewichten). Ich tue das zu einem kleinen Teil, wie ich später erläutere.

 

Im Einzelnen investiert passiv, wer

  • eine große, deutlich vierstellige Anzahl Aktien im Depot hat.
  • global über möglichst viele Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen diversifiziert.
  • nach dem Buy-and-Hold-Prinzip agiert, also kauft, weiter kauft und stur über Jahrzehnte hält.

ETFs sind das Instrument erster Wahl, um diesen Ansatz zu realisieren. Man kann auch mit ETFs aktiv investieren, was ich mir natürlich strikt verbiete. Denn passives Investieren ist aktivem bei Aufwand und Rendite überlegen.

 

Der passive Anleger stopft sich Watte in die Ohren, um Jubel und Jammer der Börsen nicht zu hören, und exekutiert einfach seine Strategie während der Jahrzehnte. Er verzichtet auf gezielte Aktien- oder Marktbewertungen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen. Daher braucht er klassische Börsenmedien nicht zu lesen; es ist ihm sogar klar von der Lektüre abzuraten, um sich nicht verrückt zu machen.

 

Noch nicht überzeugt? Glaubst du alles nicht? Willst aber mehr wissen?

 

Gerd Kommer ist ein von Kapitalmarktforschung Besessener, trägt ihre Ergebnisse zusammen, bereitet sie lesbar auf und zieht praktische Konsequenzen. Das tut er überall im Netz und ausführlich wie gebündelt in seinem Klassiker, auf den hinzuweisen ich zum Mantra mache.Werbung

 

Im nächsten Artikel lernst du Aufbau, Strategie und Taktik meines ETF-Musterdepots zum langfristigen Vermögensaufbau kennen.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über mein ETF-Weltportfolio zur Altersvorsorge.

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