Aufbau, Strategie und Taktik meines Weltportfolios mit 3 ETFs zur Altersvorsorge

So ist mein Vermögen aufgeteilt:

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Index Beschreibung Anteil % ETF TER %

1. Sicherheits-

orientierter Teil

Anteil an meinem Gesamt-Vermögen:

20

   
  Deutsche/Europäische Short-Staatsanleihen (bis zu 3 Jahre Laufzeit) in Euro mit AAA- oder AA-Rating, Tagesgeld und Giro-Konto.

Aktuell bevorzugte Alternative: Tagesgeld und Giro-Konto sowie bestehendes Investment
100    
2. Rendite-orientierter Teil Anteil an meinem Gesamt-Vermögen: 80    
MSCI World Large- und Mid-Cap-Aktien von ca. 1.650 Unternehmen aus 23 Industriestaaten 55 iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) 0,20
MSCI World Small Cap Small-Cap-Aktien von ca. 4.250 Unternehmen aus 23 Industriestaaten 20 iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF 0,35
MSCI Emerging Markets IMI Large-, Mid- und Small-Cap-Aktien von ca. 2.650 Unternehmen aus 24 Schwellenländern 25 iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF 0,18

Warum steht da "Werbung"?

Ich bekomme kein Geld von iShares bzw. dem dahinterstehenden Blackrock und ich beabsichtige mit der Nennung der drei ETFs auch nicht, Blackrock dazu zu bringen, mir welches anzubieten. Überhaupt empfehle ich ausdrücklich nicht die 3 ETFs.

 

Ich sage lediglich, dass ich sie gekauft habe. Ich empfehle dir nicht, mein Portfolio nachzukaufen. Wenn du es tust, bist du dafür selbst verantwortlich. Du musst für dich prüfen, ob die Strategie und die 3 Produkte richtig für dich sind.

 

Weil die Kennzeichnungspflichten bei Produktnennungen aber immer strenger und meines Erachtens absurder werden, schreibe ich zur Sicherheit "Werbung" drüber.

Die Anlagestrategie meines ETF-Weltportfolios

Ich habe keine Ahnung, welche Aktie, Branche oder Region wann bis wohin steigen oder fallen wird. Und ich glaube, dass das auch niemand anderes weiß. Alle empirischen Studien, die ich kenne, deuten in diese Richtung, teilweise dramatisch.

 

Ich vertraue aber darauf, dass die Weltwirtschaft im Ganzen langfristig gut gedeiht. Deshalb bildet mein Weltportfolio die (börsengehandelte) Weltwirtschaft sehr breit ab.

Markt-kapitali-sierung pro Land

Größe der Unter-nehmen Industrie-länder (Developed Markets) Schwellen-länder (Emerging Markets) Grenz-länder (Frontier Markets)
85 % Große und mittlere MSCI World MSCI Emerging Markets IMI Nicht investiert
14 % Kleine MSCI World Small Cap
 1 % Mikro Nicht investiert Nicht investiert

Über die 3 ETFs bin ich also an 99 % der börsengehandelten Marktkapitalisierung in Industrieländern und Schwellenländern beteiligt. Das Portfolio ist weltweit extrem breit nach Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen diversifiziert. Dabei ist es einfach und kostengünstig.

 

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bis zu einer Portfoliogröße von 100.000 Euro 3 ETFs für ein Weltportfolio die Obergrenze darstellen. Später kann man weitere ergänzen, muss man aber nicht. Wenn man es tut, dann bitte sinnvoll, und das heißt vor allem: wenig Überschneidungen. Andernfalls wird es schnell unübersichtlich und man muss mühsam rechnen, um zu erfahren, wie viel man in welche Region, Branche und Unternehmensgröße investiert hat und ob sich Klumpenrisiken eingeschlichen haben.

 

Ich verfolge den passiven Investitionsansatz mit einem global diversifizierten Anlageportfolio, wie im ersten Teil der Artikelserie beschrieben.

 

80 % renditeorientierter Teil: 3 Aktien-ETFs

 

20 % sicherheitsorientierter Teil: Tagesgeld, Giro-Konto (und faktisch eine weitere Anlage) mit deutscher bzw. vergleichbarer Einlagensicherung. Perspektivisch wohl noch ein ETF auf kurzfristige Staatsanleihen in Euro von Ländern mit höchstem Bonitätsrating.

 

Beim sicherheitsorientierten Teil geht es nicht um Rendite, sondern um – nun ja – Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit. Rendite sollen die Aktien im anderen Teil bringen.

 

Maximal jährlich zum Beispiel zwischen Weihnachten und Neujahr erfolgt ein Rebalancing zur Wiederherstellung der prozentualen Ziel-Verteilung des Anlagevermögens primär durch Verwendung der neuen Ansparungen und, wenn dies nicht reicht, sekundär durch Umschichtungen (im äußersten Notfall).

 

Um es sicherer zu gestalten, kann man einfach den prozentualen Anteil des sicherheitsorientierten Teils erhöhen und die einzelnen Assets im renditeorientierten Teil entsprechend schmälern. Die Gewichtung der einzelnen Assets innerhalb des Aktienteils sollte jedoch beibehalten werden. Das sollte dann im Ergebnis weniger Volatilität, aber auch weniger Rendite bedeuten.

 

Im Portfolio befinden sich mithilfe der 3 ETFs tausende verschiedene Unternehmen, die neben ihrer eigenen Performance die Wertentwicklung von vielen weiteren Unternehmen nachvollziehen. Denn auch ein ETF, der die Aktien der Unternehmen in dem Index, den er nachbildet, tatsächlich kauft, kauft gerade bei den von mir gewählten großen Indizes nicht unbedingt alle Werte, sondern wählt mit statistischen Verfahren solche aus dem Index aus, mit denen er die Entwicklung des Index ziemlich gut trifft (optimiertes Sampling). Das spart gegenüber der vollständigen physischen Replikation Kosten und funktioniert erstaunlich gut.

 

Durch die hohe Diversifikation ist es mir weitgehend egal, wie es den einzelnen Unternehmen betriebswirtschaftlich geht und wie ihre Zukunft aussieht. Privat möchte ich mich mit solchen Sujets nicht aufhalten. Außerdem gibt es gute Gründe für die Annahme, dass sich Überrendite nicht systematisch erzielen lässt. Gerd Kommer trägt sie in seinem Buch zusammen.

 

Den renditeorientierten Teil des Weltportfolios habe ich am 26.4.2018 als ein wikifolio angelegt. Die Wertentwicklung kannst du hier verfolgen.

 

Kleiner Unterschied: Den Small-Cap-ETF von iShares habe ich dort noch nicht gefunden, daher bin ich auf den etwas teureren SPDR ausgewichen.

 

Wenn man 80 % so anlegt, wie es das wikifolio zeigt, und 20 % in den sichereren Teil steckt, erhält man die in diesem Artikel präsentierte Vermögensaufteilung.

Zu den Indizes des renditeorientierten Teils

Die Indizes, auf die die ETFs laufen, sind nach Marktkapitalisierung gewichtet, sie bilden also nicht die Größen der einzelnen Volkswirtschaften ab. Um diese zu berücksichtigen, bräuchte ich viele ETFs und müsste ich komplexer rebalancen. Das kostet mehr Zeit und wohl auch Geld. Also lasse ich es sein und halte es simpel. Die Indizes werden regelmäßig aktualisiert, die ETFs schichten entsprechend um.

 

Die Benennung der Indizes des Anbieters MSCI ist unglücklich:

 

Warum heißt ein Index „World“, wenn er keine Schwellenländer, keine Frontier Markets und keine Small Caps aus Industrieländern enthält?

 

Warum steht der Zusatz „Investable Market Index“ bzw. „IMI“ für die Inklusion von Small Caps? Beim Namen „MSCI Emerging Markets“ zum Beispiel ohne das Kürzel würde ich schon vermuten, dass die Small Caps drin sind, was aber eben nicht der Fall ist.

 

MSCI hätte einfach die von ihm selbst bereits genutzten Beschreibungen als Namen verwenden sollen. Der MSCI World hieße dann „MSCI Developed Markets Large + Mid Cap“. Das ist länger, aber eindeutiger, würde also weniger geistige Transferleistung verlangen.

 

Am Rande: Dass MSCI als US-amerikanisches Unternehmen ausschließlich die Industrieländer als „World“ bezeichnet, kann böse gesinnte Geister zu einer Vermutung über deren Selbstwahrnehmung veranlassen. Was sind denn Schwellen- und Entwicklungsländer, wenn offenbar nicht zur „Welt“ gehörig? Halbwelt? Unterwelt? Das dunkle Nichts des Universums? Noch nicht zur Welt gekommen, Föten, die später lange Zeit von den großen, starken Eltern gepflegt, geführt, erzogen werden müssen zum rechten Pfad der Erwachsenen?

 

Egal – ich wollte das nur einmal loswerden.

Zu den einzelnen ETFs im Weltportfolio

Die beiden ETFs auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets IMI sind etablierte Klassiker mit sehr großem Fondsvolumen.

 

Beim ETF auf den MSCI World Small Cap ist das etwas anders. Bis zum Frühjahr 2018 gab es in Deutschland meines Wissens nach genau einen einzigen zugelassenen ETF, der die Entwicklung dieses Index abbildet. Er stammt von SPDR und hatte damals eine TER von 0,45 %.

 

Dann stieß iShares hinzu und unterbot die TER um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,35 %. Der Fonds scheint innerhalb weniger Wochen oder Monate ein vergleichbares Volumen erreicht zu haben wie der von SPDR in mehreren Jahren. Ich gehe davon aus, dass Blackrock, das hinter iShares steckt, mittel- bis langfristig aufgrund seiner Erfahrung und Marktdominanz den günstigeren und performancestärkeren ETF auf den Small Cap Index anbieten wird. Deshalb stört es mich auch nicht, dass der Fonds gerade erst geschlüpft ist.

 

In einigen Artikeln zu dem ETF ist übrigens zu lesen, dass der Fonds Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung enthält, die im MSCI World vertreten sind. Das kann schon allein deshalb nicht sein, weil es im MSCI World gar keine Small Caps gibt, sondern nur Large und Mid Caps. Der Referenzindex des ETF ist der MSCI World Small Cap und nicht der MSCI World.

Mein Vorgehen beim Handel der ETFs

Direkthandel soll oft günstiger sein als Börsenhandel, vor allem wegen geringerer Gebühren und weil es eher nicht zu Teilausführungen über mehrere Tage von Orders kommt, bei denen oft jeweils erneut Gebühren fällig werden.

 

Grundsätzlich will ich immer nur während der Börsenöffnungszeiten im Direkthandel agieren zwischen 15:30 und 17 Uhr MEZ, da dann auch die US-amerikanischen Börsen handeln. Wichtig vor allem für internationale Fonds (= alle, die ich im Portfolio habe).

 

Xetra-Kurse und Direkthandel-Kurse vergleiche ich: Brief-Kurse beim Kauf (möglichst günstig) und Geldkurse beim Verkauf (möglichst hoch).

 

Selbstverständlich nutze ich dafür einen günstigen Online-Broker, die Onvista Bank.

Meine Kriterien zur Auswahl der ETFs

  • Physische Replikation bzw. Optimiertes Sampling

Die Swap-ETFs verstehe ich zwar grob, kann aber keinen echten Vorteil für mich erkennen und fühle mich mit ihnen nicht wohl. Also will ich Fonds, die die Aktien des Referenzindex einfach direkt kaufen.

  • Thesaurierend

Dividendenerträge werden nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert. Sollte meine Rendite steigern und es erleichtern, sie anzulegen. Außerdem hat das steuerliche Vorteile.

  • Fondsvolumen größer als 100 Mio. Euro

Andernfalls ist die Gefahr zu groß, dass der Anbieter den Fonds schließt, weil er ihn nicht wirtschaftlich betreiben kann. Das kann nachteilig für mich sein, auch in steuerlicher Hinsicht.

  • Niedrige TER (Total Expense Ratio)

Die Gesamtkostenquote ist eine gute Indikation, gibt jedoch nicht alle Kosten an, das wäre die Total Cost of Ownership, siehe Tracking-Differenz.

  • Niedrige Tracking-Differenz

Gibt an, wie weit die Performance des ETF am Ende des Jahres von seinem Index abweicht. In ihr sind TER und weitere Kosten enthalten wie z. B. Transaktionskosten für Aktienkäufe und -verkäufe innerhalb des Fonds, also durch das Fondsmanagement. Kann immer nur rückwirkend berechnet werden und wird auf dieser Basis gerne als Prognose angegeben. Das Fondsmanagement muss hier einfach einen guten Job machen. Die großen, erfahrenen Anbieter können das ziemlich gut.

  • Niedriger Tracking Error

Ähnlich zur Tracking-Differenz, aber doch etwas anderes, nämlich die Schwankungsbreite eines ETFs im Vergleich zu seinem Index. Ein niedriger Tracking Error zeigt an, dass der ETF seinem Index eng folgt und nicht innerhalb eines Jahres extrem volatil um ihn herumhüpft. Ist beim Kaufen und Verkaufen von ETF-Anteilen wichtig, insbesondere in der Entnahmephase später.

  • Gilt der ETF als Aktienfonds im Sinne des deutschen Steuerrechts, das heißt, hat er eine Mindestaktienquote von 51 %?

Denn nur dann profitiert der Anleger von der 30-prozentigen Teilfreistellung von der Kapitalertragsteuer, die am 1.1.2018 eingeführt wurde. Es mutet wie eine Selbstverständlichkeit an – wie soll ein ETF, der einen Aktienindex durch physische Replikation abbildet, denn keine Mindestaktienquote von 51 % aufweisen? Sollten es nicht 99 % sein und das letzte Prozent in Cash oder so? Tatsächlich aber bieten das wohl längst nicht alle ETFs und man muss schon sehr tief in den Verkaufsprospekten wühlen, um die Info zu finden. Warum die Quote manchmal darunter liegt, weiß ich nicht, ich las als Grund die Wertpapierleihe, bin dem aber nicht nachgegangen, habe die von mir ausgewählten ETFs jedoch auf diesen Punkt hin geprüft. Eine Mail von iShares zu diesem Thema hat meine Recherchen bestätigt - natürlich kann sich so etwas auch mal ändern. Ein etwas unangenehmer Unsicherheitsfaktor.

  • UCITS

Der ETF soll strenger Überwachung unterliegen.

  • Niedrige Geld-Brief-Spanne beim Handeln: max. ca. 0,5 %
  • Sitz in Irland aus quellensteuerlichen Gründen
  • Fonds älter als 5 Jahre

Das erfüllen nicht alle von mir ausgewählten ETFs.

 

Ich suche meine ETFs mit der Website JustETF.com. Die Auswahl ist nach der Anwendung der ersten drei Kriterien so angenehm klein, dass es leicht ist, auf Basis der übrigen Kriterien einen ETF für jeden Index zu bestimmen.

Ein Wort zu Factor Investing und Smart-Beta-ETFs

Seit der 5., umfassend aktualisierten Auflage des Buches „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“Werbung findet im Kommerschen Weltportfolio die Entwicklung zu Smart-Beta-ETFs ihren Niederschlag, die streng regelbasiert bestimmte, von der Kapitalmarktforschung als Renditetreiber identifizierte Faktoren wie Size, Value oder Momentum im Depot übergewichten. Wenn ein Fonds mehrere dieser Faktoren kombiniert, spricht man von einem Multi-Factor-ETF oder eben Smart-Beta-ETF.

 

Ein bisschen was davon enthält meine Spielart des Weltportfolios, obwohl sich darin keine Smart-Beta-ETFs befinden. So habe ich einen, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, höheren Anteil von kleinen Unternehmen aus Industrieländern im Depot (Size-Faktor). Ein kleinerer Anteil als 20 % vom renditeorientierten, die börsengehandelte Weltwirtschaft abbildenden Teil meines Vermögens hätte nur geringe Auswirkungen und wäre für mich ohnehin nicht sinnvoll zu rebalancen. Weitere Small Caps befinden sich im ETF auf den MSCI Emerging Markets IMI, hier allerdings dem Index gemäß ohne Übergewichtung, sondern rein nach Marktkapitalisierung. Das ist also kein Factor Investing.

 

Außerdem sind die Emerging Markets deutlich übergewichtet, sodass ich den Politicial-Risk-Faktor ernte.

 

Empirische wissenschaftliche Erkenntnisse hin oder her: Ich will Factor Investing nur so begrenzt, wie ich es in meinem Portfolio betreibe.

 

Es kommt mir noch nicht klar genug vor, ich will mich breiter diversifizieren, als es die Smart-Beta-ETFs ermöglichen, und ich möchte es einfach halten.

 

Je einfacher mein Depot ist, desto weniger Aspekte meiner Strategie gibt es, an denen ich bei einem großen Kursrückgang zweifeln könnte.

 

Teurer als „Plain Vanilla“-ETFs sind ihre Smart-Beta-Geschwister übrigens auch.

Warum Tagesgeld im sicherheitsorientierten Teil, wenn die Zinsen dafür unterhalb der Inflationsrate liegen und ich real Kaufkraft verliere?

Ich betrachte den realen Kaufkraftverlust beim Tagesgeld als Preis für die sehr große Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit. Besser 1,5 % durch Inflation verlieren als z. B. 5, 10 oder mehr Prozent durch Aktien, die ich ggf. mit diesem Verlust verkaufen muss, weil ich kurzfristig Geld brauche (in dem Beispiel habe ich großzügig 0,5 % Zinsen und 2 % Inflation angesetzt). An der Börse habe ich nur die Summen investiert, auf die ich notfalls 15 Jahre verzichten könnte – bei aller Unsicherheit auch in dieser Bewertung.

 

Ich habe vernommen, dass Anleihen und Tages- bzw. Festgeld auf lange Sicht grundsätzlich negativ rentieren, sprich: dass man Kaufkraft verliert. Selbst hohe Zinsen würden oft von der jeweils bestehenden Inflation und den anfallenden Steuern aufgefressen.

 

Das wäre traurig, mir aber egal, weil ich ohnehin stark auf Aktien setze und der sicherheitsorientierte Teil die Aufgabe hat, mein Gesamtrisiko zu senken und mir ein ausreichendes Budget für die kleinen und mittleren Unfälle des Lebens schnell zur Verfügung zu stellen.

 

Tagesgeldkonten würde ich nur bei einer Bank mit hoher Bonität einrichten, bei der meine Einlagen nach deutschem Recht bis zu 100.000 Euro abgesichert sind. Da muss ich demnächst nochmal ran. Mehr als diese 100.000 Euro würde ich auf einem einzelnen Konto nicht parken.

Wie viel Rendite willst du? Wie viel Risiko erträgst du?

Mein Muster-Weltportfolio ist risikoreicher als viele andere, die man online und in der Fachliteratur findet. Ich will etwas mehr Rendite und muss deshalb den Schmerz erhöhter Volatilität aushalten: Mein Vermögen wird stärker schwanken, sich unterm Strich aber nach oben schaukeln, so glaube ich aus guten Gründen.

 

Dazu musst du verstehen, dass Risiko und Rendite am Kapitalmarkt zwei Seiten einer Medaille sind.

 

Je mehr Rendite du willst, desto mehr Risiken musst du eingehen.

 

Was nicht bedeutet, dass du bei einem kleinen Renditepotenzial automatisch ein niedriges Risiko hast oder dich bei einem hohen Risiko auch an einem großen Renditepotenzial erfreuen darfst.

 

Dieses Risiko-Profil regelst du im Wesentlichen über die Gewichtung des sicherheits- und renditeorientierten Teils. Halte die einmal gewählte Asset Allocation stur durch. Ändere sie jedenfalls nicht jedes Jahr. Lass dich vom kirremachenden Börsengeschrei nicht in blöden Aktionismus treiben. Sitz die Krisen einfach aus. Wen betrifft heute noch der Börsenkrach vom Oktober 1987?

 

Ich durfte schon einmal erleben, wie es sich anfühlt, wenn sich der Buchwert des eigenen Vermögens kurzfristig um 50 Prozent dezimiert und man das auch als blutrot zuckende Live-Zahlen um die Ohren gehauen bekommt.

 

Das ist wichtig, um Gelassenheit zu bewahren. Nichts ist teurer an der Börse als Flatternerven, als wenn man zu den „Zittrigen“ zählt, wie André Kostolany sie nannte. Den „Hartgesottenen“ sollte man sich anschließen.

 

Von Hauseigentümern kann man hier lernen. Deren Asset, auf das sie oft sogar noch einen stattlichen Kredit haben, schwankt munter im Wert. Doch erstens wird der Kurs nicht andauernd festgestellt, bleibt damit unsichtbar und macht sie nicht verrückt.

 

Und selbst wenn sie, zweitens, alle paar Jahre einen Blick auf die Immobilienpreisentwicklung ihrer Gegend werfen und einen (durch Hebelwirkung des Kredites verschlimmerten) Buchverlust ihres Eigenkapitals wahrnehmen, so zucken sie bis zu einem gewissen hohen Grad mit den Schultern: Sie wollen ja nicht verkaufen, sondern 30 Jahre und länger „halten“, also in dem Kasten wohnen, ihn vielleicht sogar vererben.

 

Genau so muss man sein ETF-Weltportfolio zwischendurch betrachten: mit milde interessiertem Blick, bloß mal so zur Info, aber stur daran festhalten und Krisen aussitzen – auch wenn um einen herum alle beteuern, dass der jüngste Absturz „ganz anders“ sei und der Weltuntergang nahe. Es hilft nur der Glaube an die Überlegenheit dieser Strategie.

 

Gleiches gilt übrigens auch bei Börsenaufschwüngen: Hier neigt der Anleger dazu, doch ein paar heiße Tipps für Einzelaktien zu beherzigen. Tu dir selbst einen Gefallen und vergiss es einfach.

 

Mein persönliches Ziel: 35 Jahre lang durchschnittlich mindestens 5 % jährliche Real-Rendite, bezogen auf den renditeorientierten Teil, also nach Inflation und Steuern. Entsprechend ist das Portfolio ausgestaltet.

 

Ob mein Portfolio nach fünf Jahren dick im Minus ist, interessiert mich nicht. Wenn eine Fußballmannschaft eine Viertelstunde nach Spielbeginn hinten liegt oder die Beliebtheitswerte einer Bundesregierung neun Monate nach Amtsantritt abrutschen, dann ist das für die Betroffenen ärgerlich, aber egal. Passiert, gehört dazu, kann man von vorn herein erwarten. Entscheidend ist am Ende. Abpfiff, Wahltag. Es kann sich alles drehen, auch auf den letzten Metern.

 

Ich freue mich sogar, wenn ich in einem Börsencrash billig neue ETF-Anteile kaufen und das Tal aussitzen kann. Ich hoffe also, die Crashs geschehen früh und ballen sich nicht in der Entnahmephase.

 

Börsencrashs und mehrjährige Bärenmärkte sind Prüfungen deiner mentalen Stärke. Wenn du in ihnen verkaufst, obwohl du das Geld nicht dringend brauchst, dann ist dein Verlust der Preis deiner Schwäche. Die Aktienmärkte fordern dich immer mal wieder heraus und erinnern dich daran, dass es überdurchschnittlichen Erfolg langfristig normalerweise nicht ohne Leiden und Mühen gibt.

 

Egal, ob du Angst hast oder panisch bist: Du musst da durch, du musst es aushalten.

 

Solange du nichts abstößt, handelt es sich um reine Buchverluste, die man aussitzen kann – manchmal jahrelang, auch über ein Jahrzehnt ist möglich. Stell dich am besten gleich am Anfang ganz plastisch darauf ein, dass dir das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach passieren wird.

 

Du kriegst deine Rendite für das Tragen von Risiko. Risiko bedeutet unvorhergesehene plötzliche oder schleichende Kursrückgänge. Wären sie vorhersehbar, wären sie kein Risiko. Würde es sie nicht geben, gäbe es kein Risiko und folglich keinen Grund, dich zu bezahlen.

 

 

Im nächsten Beitrag der Artikelserie stelle ich dir das Rebalancing vor, das ich jährlich bzw. zweijährlich mache.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über ein ETF-Weltportfolio zur Altersvorsorge.

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