Aufbau, Strategie und Taktik meines Weltportfolios mit 3 ETFs zur Altersvorsorge

So ist mein Depot aufgeteilt:

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Index Beschreibung Anteil % ETF TER %

1. Sicherheits-

orientierter Teil

Anteil an meinem Depot:

0,0

   
  Deutsche/Europäische Staatsanleihen bis zu 3 Jahre Laufzeit in Euro mit AAA- oder AA-Rating, Tagesgeld und Giro-Konto.

Aktuell bevorzugte Alternative: Tagesgeld und Giro-Konto sowie bestehendes Investment
100 (von aktuell 0,0 ;))    
2. Rendite-orientierter Teil Anteil an meinem Depot: 100    
MSCI World Aktien von ca. 1.650 Large- und Mid-Cap-Unternehmen aus 23 Industriestaaten 50 iShares Core MSCI World UCITS ETF  (Acc) 0,20
MSCI World Small Cap Aktien von ca. 4.370 Small-Cap-Unternehmen aus 23 Industriestaaten 20 iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF (Acc) 0,35
MSCI Emerging Markets IMI Aktien von ca. 2.840 Large-, Mid- und Small-Cap-Unternehmen aus 26 Schwellenländern 30 iShares Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF (Acc) 0,18
Gesamt-TER des renditeorientierten Teils (3 Aktien-ETFs) bei korrekter prozentualer Gewichtung 0,22

Hinweis: Eine Notfall-Cashreserve in Höhe von 6 Monatsausgaben ist nicht in den hier genannten Vermögenswerten enthalten. Diese separiere ich geistig komplett von meinem Depot.

Warum steht da "Werbung"?

Ich bekomme kein Geld von iShares bzw. dem dahinterstehenden Blackrock (oder anderen ggf. genannten ETF-Anbietern) und ich beabsichtige mit der Nennung der drei ETFs auch nicht, Blackrock oder andere dazu zu bringen, mir welches anzubieten. Überhaupt empfehle ich ausdrücklich nicht die ETFs.

 

Ich sage lediglich, dass ich sie gekauft habe bzw. in Erwägung ziehe. Ich empfehle dir nicht, mein Portfolio nachzukaufen. Wenn du es tust, bist du dafür selbst verantwortlich. Du musst für dich prüfen, ob die Strategie und die Produkte richtig für dich sind.

 

Weil die Kennzeichnungspflichten bei Produktnennungen aber immer strenger und meines Erachtens absurder werden, schreibe ich zur Sicherheit "Werbung" drüber.

Die Anlagestrategie meines ETF-Weltportfolios

Ich habe keine Ahnung, welche Aktie, Branche oder Region wann bis wohin steigen oder fallen wird. Und ich glaube, dass das auch niemand anderes weiß. Alle empirischen Studien und rationalen Theorien, die ich kenne, deuten in diese Richtung, teilweise dramatisch.

 

Ich vertraue aber darauf, dass die Weltwirtschaft im Ganzen langfristig gut gedeiht. Deshalb bildet mein Weltportfolio die (börsengehandelte) Weltwirtschaft nach der Struktur von MSCI sehr breit ab:

Markt-kapitali-sierung pro Land

Größe der Unter-nehmen Industrie-länder (Developed Markets) Schwellen-länder (Emerging Markets) Entwick-lungsländer (Frontier Markets)
70% Groß MSCI World MSCI Emerging Markets IMI Nicht investiert
15 % Mittel
14 % Klein MSCI World Small Cap
 1 % Mikro Nicht investiert Nicht investiert

Über die 3 ETFs bin ich also an 99 % der börsengehandelten Marktkapitalisierung in den jeweiligen Industrieländern und Schwellenländern beteiligt. Das Portfolio ist weltweit extrem breit nach Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen diversifiziert. Dabei ist es einfach und kostengünstig.

 

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bis zu einer Portfoliogröße von 100.000 Euro 3-4 ETFs für ein Weltportfolio die Obergrenze darstellen. Später kann man weitere ergänzen, muss man aber nicht. Wenn man es tut, dann bitte sinnvoll, und das heißt vor allem: wenig Überschneidungen. Andernfalls wird es schnell unübersichtlich und man muss mühsam rechnen, um zu erfahren, wie viel man in welcher Region, Branche und Unternehmensgröße investiert hat und ob sich Klumpenrisiken eingeschlichen haben. Es gilt: Viele ETFs sind nicht automatisch besser als wenige.

 

Ich verfolge den passiven Investitionsansatz mit einem global diversifizierten Anlageportfolio, wie im ersten Teil der Artikelserie beschrieben.

 

Renditeorientierter Teil: 3 Aktien-ETFs

 

Sicherheitsorientierter Teil: Tagesgeld, Giro-Konto (und faktisch eine weitere Anlage) mit deutscher bzw. vergleichbarer Einlagensicherung. Perspektivisch wohl noch ein ETF auf kurzfristige Staatsanleihen in Euro von Ländern mit höchstem Bonitätsrating.

 

Beim sicherheitsorientierten Teil geht es nicht um Rendite, sondern um – nun ja – Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit. Rendite sollen die Aktien im anderen Teil bringen.

 

Jährlich oder zweijährlich zum Beispiel Mitte Januar erfolgt ein Rebalancing zur Wiederherstellung der prozentualen Ziel-Verteilung des Anlagevermögens primär durch Verwendung der neuen Ansparungen und, wenn dies nicht reicht, sekundär durch Umschichtungen (im alleräußersten Notfall).

 

Um das Risiko des Portfolios zu senken, kann man einfach den prozentualen Anteil des sicherheitsorientierten Teils erhöhen und die einzelnen Assets im renditeorientierten Teil entsprechend schmälern. Die Gewichtung der einzelnen Assets innerhalb des Aktienteils sollte jedoch beibehalten werden. Das sollte dann im Ergebnis weniger Volatilität, aber auch weniger Rendite bedeuten.

 

Im Portfolio befinden sich mithilfe der 3 ETFs ca. 7.500 verschiedene Unternehmen, die neben ihrer eigenen Performance die Wertentwicklung von weiteren ca. 1.350 Unternehmen nachvollziehen. Insgesamt werden die 3 ETFs also so geführt, dass sie die marktkapitalisierungsgewichtete Performance von ca. 8.850 Unternehmen replizieren.


Zur Erklärung: Auch ein ETF, der die Aktien der Unternehmen in dem Index, den er nachbildet, tatsächlich kauft, kauft gerade bei den von mir gewählten großen Indizes nicht unbedingt alle Werte, sondern wählt mit statistischen Verfahren solche aus, mit denen er die Entwicklung des Index ziemlich gut trifft. Das nennt sich optimiertes Sampling und spart gegenüber der vollständigen physischen Replikation Kosten. Es funktioniert erstaunlich gut.

 

Mein persönlicher Benchmark-Index für den renditeorientierten Teil ist der MSCI ACWI IMI. Den Kurs dieses Indexes konnte ich auf den öffentlich zugänglichen Portalen bisher nicht finden, daher nehme ich mir der Einfachheit halber den derzeit einzigen ETF als Vergleich, den es auf diesen Index gibt. Er stammt von SPDR.

 

Ziel ist es, mindestens die Performance dieses ETFs zu erreichen. Durch mein leichtes Factor Investing will ich sie aber eigentlich, auf 20 Jahre gesehen, übertreffen. Das bedeutet, dass ich nicht in jedem Jahr erwarten kann, meinen Vergleichindex zu erreichen. Denn mehr Rendite = mehr Risiko.

 

Durch die hohe Diversifikation ist es mir weitgehend egal, wie es den einzelnen Unternehmen betriebswirtschaftlich geht und wie ihre Zukunft aussieht. Privat möchte ich mich mit solchen Sujets nicht aufhalten. Außerdem gibt es gute Gründe für die Annahme, dass sich Überrendite nicht systematisch erzielen lässt. Gerd Kommer trägt sie in seinem Buch zusammen.

Zu den Indizes des renditeorientierten Teils

Die Indizes, auf die die ETFs laufen, sind nach Marktkapitalisierung gewichtet, sie bilden also nicht die Größen der einzelnen Volkswirtschaften ab. Um diese zu berücksichtigen, bräuchte ich viele ETFs und müsste ich komplexer rebalancen. Das kostet mehr Zeit und wohl auch Geld. Also lasse ich es sein und halte es simpel. Die Indizes werden regelmäßig aktualisiert, die ETFs schichten entsprechend um.

 

Die Benennung der Indizes des Anbieters MSCI ist unglücklich:

 

Warum heißt ein Index „World“, wenn er keine Schwellenländer, keine Frontier Markets und keine Small Caps aus Industrieländern enthält?

 

Warum steht der Zusatz „Investable Market Index“ bzw. „IMI“ für die Inklusion von Small Caps? Beim Namen „MSCI Emerging Markets“ zum Beispiel ohne das Kürzel würde ich schon vermuten, dass die Small Caps drin sind, was aber eben nicht der Fall ist.

 

MSCI hätte einfach die von ihm selbst bereits genutzten Beschreibungen als Namen verwenden sollen. Der MSCI World hieße dann „MSCI Developed Markets Large + Mid Cap“. Das ist länger, aber eindeutiger, würde also weniger geistige Transferleistung verlangen.

 

Am Rande: Dass MSCI als US-amerikanisches Unternehmen ausschließlich die Industrieländer als „World“ bezeichnet, kann böse gesinnte Geister zu einer Vermutung über deren Selbstwahrnehmung veranlassen. Was sind denn Schwellen- und Entwicklungsländer, wenn offenbar nicht zur „Welt“ gehörig? Halbwelt? Unterwelt? Das dunkle Nichts des Universums? Noch nicht zur Welt gekommen, Föten, die später lange Zeit von den großen, starken Eltern gepflegt, geführt, erzogen werden müssen zum rechten Pfad der Erwachsenen?

 

Egal – ich wollte das nur einmal loswerden.

Zu den einzelnen ETFs im Weltportfolio

Die beiden ETFs auf den MSCI World und den MSCI Emerging Markets IMI sind etablierte Klassiker mit sehr großem Fondsvolumen.

 

Beim ETF auf den MSCI World Small Cap ist das etwas anders. Bis zum Frühjahr 2018 gab es in Deutschland meines Wissens nach genau einen einzigen zugelassenen ETF, der die Entwicklung dieses Index abbildet. Er stammt von SPDR und hatte damals eine TER von 0,45 %.

 

Dann stieß iShares hinzu und unterbot die TER um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,35 %. Der Fonds hat innerhalb weniger Wochen oder Monate ein vergleichbares Volumen erreicht wie der von SPDR in mehreren Jahren und wuchs danach kräftig weiter. Ich gehe davon aus, dass Blackrock, das hinter iShares steckt, mittel- bis langfristig aufgrund seiner Erfahrung und Marktdominanz den günstigeren und performancestärkeren ETF auf den Small Cap Index anbieten wird. Deshalb störte es mich auch nicht, dass der Fonds gerade erst geschlüpft war.

 

In einigen Artikeln zu dem ETF ist übrigens zu lesen, dass der Fonds Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung enthält, die im MSCI World vertreten sind. Das kann schon allein deshalb nicht sein, weil es im MSCI World gar keine Small Caps gibt, sondern nur Large und Mid Caps. Der Referenzindex des ETF ist der MSCI World Small Cap und nicht der MSCI World.

Mein Vorgehen beim Handel der ETFs

Grundsätzlich will ich immer nur werktags zwischen 15:30 und 17 Uhr MEZ handeln, da dann auch die US-amerikanischen Börsen geöffnet sind. Wichtig vor allem für internationale Fonds (= alle, die ich im Portfolio habe). Im Idealfall kaufe ich nicht am Anfang oder ganz am Ende eines Monats, weil hier die meisten kaufen und die Kurse leicht erhöht sein dürften. Ich nehme die Mitte.

 

Xetra-Kurse und Direkthandel-Kurse vergleiche ich: Brief-Kurse beim Kauf (möglichst günstig) und Geldkurse beim Verkauf (möglichst hoch).

 

Direkthandel soll oft günstiger sein als Börsenhandel, vor allem wegen geringerer Gebühren und weil es eher nicht zu Teilausführungen über mehrere Tage von Orders kommt, bei denen oft jeweils erneut Gebühren fällig werden. Da meine ETFs alle eine ordentliche bis hohe Liquidität aufweisen, sollte die Teilausführung normalerweise nicht vorkommen. Ich fühle mich mit Xetra wohler, dort allerdings handele ich nur mit Limit: Kauf- und Verkaufslimit ca. 2 % über bzw. unter dem angezeigten Kurs. Die Limits sollen lediglich davor schützen, zufällig in extreme Kursbewegungen wie z. B. Flashcrashs hineinzugeraten. Da ich langfristig investiere, ist es weniger wichtig, ob ich 2 % teurer kaufe oder 2% billiger verkaufe.

 

Selbstverständlich nutze ich dafür einen günstigen Online-Broker.

Meine Kriterien zur Auswahl der ETFs

  • Physische Replikation bzw. Optimiertes Sampling

Die Swap-ETFs verstehe ich zwar grob, kann aber keinen echten Vorteil für mich erkennen und fühle mich mit ihnen nicht wohl. Also will ich Fonds, die die Aktien des Referenzindex einfach direkt kaufen.

  • Thesaurierend

Dividendenerträge werden nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert. Sollte meine Rendite steigern und es erleichtern, sie anzulegen. Außerdem hat das langfristig steuerliche Vorteile durch die größtenteils nachgelagerte Besteuerung von Aktiengewinnen, die man allerdings gegen die Steuervorteile beim eventuellen Ausnutzen des jährlichen Freibetrages im Falle ausgeschütteter verrechnen müsste, um einen korrekte Entscheidung zu treffen - ist mir zuviel Klein-Klein. Ausschütter benötigt hingegen niemand, um Geld aus seinem Portfolio zu erhalten, höchstens für die Psyche. Wer Geld aus seinem Portfolio braucht, kann Anteile verkaufen. Das ist dasselbe wie eine Entnahme über Dividenden, ist aber zielgerichteter. Einziger Nachteil: Verkäufe kosten Transaktionsgebühren. Dass die Einnahmen über Dividenden nun genau so hoch sind, wie man sie benötigt, ist unwahrscheinlich. Sind sie zu niedrig, muss ich ohnehin zusätzlich Anteile verkaufen. Sind sie zu hoch, habe ich unnötig Cash aus dem Portfolio abgezogen und damit meine Rendite wohl zu stark verringert.

  • Fondsvolumen größer als 100 Mio. Euro

Andernfalls ist die Gefahr zu groß, dass der Anbieter den Fonds schließt, weil er ihn nicht wirtschaftlich betreiben kann. Das kann nachteilig für mich sein, auch in steuerlicher Hinsicht.

  • Niedrige TER (Total Expense Ratio)

Die Gesamtkostenquote ist eine gute Indikation, gibt jedoch nicht alle Kosten an, das wäre die Total Cost of Ownership, siehe Tracking-Differenz.

  • Niedrige Tracking-Differenz

Gibt an, wie weit die Performance des ETF am Ende des Jahres von seinem Index abweicht. In ihr sind TER und weitere Kosten enthalten wie z. B. Transaktionskosten für Aktienkäufe und -verkäufe innerhalb des Fonds, also durch das Fondsmanagement. Kann immer nur rückwirkend berechnet werden und wird auf dieser Basis gerne als Prognose angegeben. Das Fondsmanagement muss hier einfach einen guten Job machen. Die großen, erfahrenen Anbieter können das in der Regel ziemlich gut. Ein ETF kann seinen Index übrigens auch schlagen. Dies liegt vor allem an der Wertpapierleihe.

  • Niedriger Tracking Error

Ähnlich zur Tracking-Differenz, aber doch etwas anderes, nämlich die Schwankungsbreite eines ETFs im Vergleich zu seinem Index. Ein niedriger Tracking Error zeigt an, dass der ETF seinem Index eng folgt und nicht innerhalb eines Jahres extrem volatil um ihn herumhüpft. Ist beim Kaufen und Verkaufen von ETF-Anteilen wichtig, insbesondere in der Entnahmephase später.

  • Gilt der ETF als Aktienfonds im Sinne des deutschen Steuerrechts, das heißt, hat er eine Mindestaktienquote von 51 %?

Denn nur dann profitiert der Anleger von der 30-prozentigen Teilfreistellung von der Kapitalertragsteuer, die am 1.1.2018 eingeführt wurde. Es mutet wie eine Selbstverständlichkeit an – wie soll ein ETF, der einen Aktienindex durch physische Replikation abbildet, denn keine Mindestaktienquote von 51 % aufweisen? Tatsächlich aber bieten das wohl längst nicht alle ETFs und man muss schon sehr tief in den Verkaufsprospekten wühlen, um die Info zu finden. Warum die Quote manchmal darunter liegt, weiß ich nicht, ich las als Grund die Wertpapierleihe, bin dem aber nicht nachgegangen, habe die von mir ausgewählten ETFs jedoch auf diesen Punkt hin geprüft. Eine Mail von iShares zu diesem Thema hat meine Recherchen bestätigt - natürlich kann sich so etwas auch mal ändern. Ein etwas unangenehmer Unsicherheitsfaktor.

  • UCITS

Der ETF soll strenger Überwachung unterliegen.

  • Niedrige Geld-Brief-Spanne beim Handeln: max. ca. 0,5 %
  • Sitz in Irland aus quellensteuerlichen Gründen
  • Fonds älter als 5 Jahre

Das erfüllen nicht alle von mir ausgewählten ETFs: Der Small-Cap-ETF war beim ersten Kauf jünger (wenige Monate alt, ein Baby!). Ich wollte die Small Caps aber unbedingt im Depot haben und sogar übergewichten, also kaufte ich ihn, da der Rest passte und ich Blackrock vertraute, mit dem Produkt erfolgreich zu sein.

 

Ich suche meine ETFs mit der Website JustETF.com. Die Auswahl ist nach der Anwendung der ersten drei Kriterien so angenehm klein, dass es leicht ist, auf Basis der übrigen Kriterien einen ETF für jeden Index zu bestimmen.

Ein Wort zu Factor Investing und Smart-Beta-ETFs

Seit der 5., umfassend aktualisierten Auflage des Buches „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“Werbung findet im Kommerschen Weltportfolio die Entwicklung zu Smart-Beta-ETFs ihren Niederschlag, die streng regelbasiert bestimmte, von der Kapitalmarktforschung als Renditetreiber identifizierte Faktoren wie Size, Value oder Momentum im Depot übergewichten. Wenn ein Fonds mehrere dieser Faktoren kombiniert, spricht man von einem Multi-Factor-ETF oder eben Smart-Beta-ETF.

 

Ein bisschen was davon enthält meine Spielart des Weltportfolios, obwohl sich darin keine Smart-Beta-ETFs befinden. So habe ich einen, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung, höheren Anteil von kleinen Unternehmen aus Industrieländern im Depot (Size-Faktor). Ein kleinerer Anteil als oben angegeben hätte nur geringe Auswirkungen und wäre für mich ohnehin nicht sinnvoll zu rebalancen. Weitere Small Caps befinden sich im ETF auf den MSCI Emerging Markets IMI, hier allerdings dem Index gemäß ohne Übergewichtung, sondern rein nach Marktkapitalisierung. Das ist also kein Factor Investing.

 

Außerdem sind die Emerging Markets übergewichtet, sodass ich den Politicial-Risk-Faktor ernte.

 

Empirische wissenschaftliche Erkenntnisse hin oder her: Ich will Factor Investing nur so begrenzt, wie ich es in meinem Portfolio betreibe.

 

Es kommt mir noch nicht klar genug vor, ich will mich breiter diversifizieren, als es die Smart-Beta-ETFs ermöglichen, und ich möchte es einfach halten.

 

Je einfacher mein Depot ist, desto weniger Aspekte meiner Strategie gibt es, an denen ich bei einem großen Kursrückgang zweifeln könnte.

 

Teurer als „Plain Vanilla“-ETFs sind ihre Smart-Beta-Geschwister übrigens auch.

Warum Tagesgeld im sicherheitsorientierten Teil, wenn die Zinsen dafür unterhalb der Inflationsrate liegen und ich real Kaufkraft verliere?

Ich betrachte den realen Kaufkraftverlust beim Tagesgeld als Preis für die sehr große Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit. Besser 1,5 % durch Inflation verlieren als z. B. 5, 10 oder mehr Prozent durch Aktien, die ich ggf. mit diesem Verlust verkaufen muss, weil ich kurzfristig Geld brauche (in dem Beispiel habe ich großzügig 0,5 % Zinsen und 2 % Inflation angesetzt). An der Börse habe ich nur die Summen investiert, auf die ich notfalls 15 Jahre verzichten könnte – bei aller Unsicherheit auch in dieser Bewertung.

 

Ich habe vernommen, dass Anleihen und Tages- bzw. Festgeld auf lange Sicht real sowie nach Kosten und Steuern grundsätzlich neutral oder negativ rentieren, sprich: dass man Kaufkraft verliert. Selbst hohe Zinsen würden oft von der jeweils bestehenden Inflation und den anfallenden Steuern praktisch aufgefressen.

 

Das wäre traurig, mir aber egal, weil ich ohnehin stark auf Aktien setze und der sicherheitsorientierte Teil die Aufgabe hat, mein Gesamtrisiko zu senken und mir ein ausreichendes Budget für die kleinen und mittleren Unfälle des Lebens schnell zur Verfügung zu stellen.

 

Tagesgeldkonten würde ich nur bei einer Bank mit hoher Bonität einrichten, bei der meine Einlagen nach deutschem Recht bis zu 100.000 Euro abgesichert sind. Da muss ich demnächst nochmal ran, denn aktuell befinden sich die Beträge auf einem anderen Tagesgeldkonto, das jedoch ebenfalls sehr sicher ist. Mehr als diese 100.000 Euro würde ich auf einem einzelnen Konto nicht parken.

Wie viel Rendite willst du? Wie viel Risiko erträgst du?

Mein Muster-Weltportfolio ist erheblich risikoreicher als viele andere, die man online und in der Fachliteratur findet. Ich will mehr Rendite und muss deshalb den Schmerz erhöhter Volatilität aushalten: Mein Vermögen wird stärker schwanken, sich unterm Strich aber nach oben schaukeln, so glaube ich aus guten Gründen.

 

Dazu musst du verstehen, dass Risiko und Rendite am Kapitalmarkt zwei Seiten einer Medaille sind.

 

Je mehr Rendite du willst, desto mehr Risiken musst du eingehen.

 

Was nicht bedeutet, dass du bei einem kleinen Renditepotenzial automatisch ein niedriges Risiko hast oder dich bei einem hohen Risiko auch an einem großen Renditepotenzial erfreuen darfst.

 

Dieses Risiko-Profil regelst du im Wesentlichen über die Gewichtung des sicherheits- und renditeorientierten Teils. Halte die einmal gewählte Asset Allocation stur durch. Ändere sie nur, wenn veränderte Lebensumstände es nötig machen. Lass dich vom kirremachenden Börsengeschrei nicht in blöden Aktionismus treiben. Sitz die Krisen einfach aus. Wen betraf im Jahr 2017 noch der Börsenkrach vom Oktober 1987?

 

Ich durfte schon einmal erleben, wie es sich anfühlt, wenn sich der Buchwert des eigenen Vermögens kurzfristig um 50 Prozent dezimiert und man das auch als blutrot zuckende Live-Zahlen um die Ohren gehauen bekommt.

 

Das ist wichtig, um Gelassenheit zu bewahren. Nichts ist teurer an der Börse als Flatternerven, als wenn man zu den „Zittrigen“ zählt, wie André Kostolany sie nannte. Den „Hartgesottenen“ sollte man sich anschließen.

 

Von Hauseigentümern kann man hier lernen. Deren Asset, auf das sie oft sogar noch einen stattlichen Kredit haben, schwankt munter im Wert. Doch erstens wird der Kurs nicht andauernd festgestellt, bleibt damit unsichtbar und macht sie nicht verrückt.

 

Und selbst wenn sie, zweitens, alle paar Jahre einen Blick auf die Immobilienpreisentwicklung ihrer Gegend werfen und einen (durch Hebelwirkung des Kredites verschlimmerten) Buchverlust ihres Eigenkapitals wahrnehmen, so zucken sie bis zu einem gewissen hohen Grad mit den Schultern: Sie wollen ja nicht verkaufen, sondern 30 Jahre und länger „halten“, also in dem Kasten wohnen, ihn vielleicht sogar vererben.

 

Genau so muss man sein ETF-Weltportfolio zwischendurch betrachten: mit milde interessiertem Blick, bloß mal so zur Info, aber stur daran festhalten und Krisen aussitzen – auch wenn um einen herum alle beteuern, dass der jüngste Absturz „ganz anders“ sei und der Weltuntergang nahe. Es hilft nur der Glaube an die Überlegenheit dieser Strategie.

 

Gleiches gilt übrigens auch bei Börsenaufschwüngen: Hier neigt der Anleger dazu, doch ein paar heiße Tipps für Einzelaktien zu beherzigen. Tu dir selbst einen Gefallen und vergiss es einfach.

 

Mein persönliches Ziel: 30 Jahre lang durchschnittlich mindestens 4,5 % jährliche Netto-Real-Rendite, bezogen auf den renditeorientierten Teil, also nach Inflation, Kosten und Steuern. Entsprechend ist das Portfolio ausgestaltet.

 

Ob mein Portfolio nach fünf Jahren dick im Minus ist, interessiert mich nicht. Wenn eine Fußballmannschaft eine Viertelstunde nach Spielbeginn hinten liegt oder die Beliebtheitswerte einer Bundesregierung neun Monate nach Amtsantritt abrutschen, dann ist das für die Betroffenen ärgerlich, aber egal. Passiert, gehört dazu, kann man von vorn herein erwarten. Entscheidend ist am Ende. Abpfiff, Wahltag. Es kann sich alles drehen, auch auf den letzten Metern.

 

Ich freue mich sogar, wenn ich in einem Börsencrash billig neue ETF-Anteile kaufen und das Tal aussitzen kann. Ich hoffe also, die Crashs geschehen früh und ballen sich nicht in der Entnahmephase.

 

Börsencrashs und mehrjährige Bärenmärkte sind Prüfungen deiner mentalen Stärke. Wenn du in ihnen verkaufst, obwohl du das Geld nicht dringend brauchst, dann ist dein Verlust der Preis deiner Schwäche. Die Aktienmärkte fordern dich immer mal wieder heraus und erinnern dich daran, dass es überdurchschnittlichen Erfolg langfristig normalerweise nicht ohne Leiden und Mühen gibt.

 

Egal, ob du Angst hast oder panisch bist: Du musst da durch, du musst es aushalten.

 

Solange du nichts abstößt, handelt es sich um reine Buchverluste, die man aussitzen kann – manchmal jahrelang, auch über ein Jahrzehnt ist möglich. Stell dich am besten gleich am Anfang ganz plastisch darauf ein, dass dir das im Laufe der Jahrzehnte mehrfach passieren wird.

 

Du kriegst deine Rendite für das Tragen von Risiko. Risiko bedeutet unvorhergesehene plötzliche oder schleichende Kursrückgänge. Wären sie vorhersehbar, wären sie kein Risiko. Würde es sie nicht geben, gäbe es kein Risiko und folglich keinen Grund, dich zu bezahlen.

 

 

Im nächsten Beitrag der Artikelserie stelle ich dir das Rebalancing vor, das ich jährlich bzw. zweijährlich mache.

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über ein ETF-Weltportfolio zur Altersvorsorge.

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Kommentare: 8
  • #1

    Adzzz (Sonntag, 21 April 2019 19:01)

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe mir Mitte letzten Jahres ein Depot mit denselben Assetklassen aufgesetzt, teilweise sogar mit denselben ETFs (66%) (z.B. EM IMI, aber der SPDR Small Caps) und Termingeld (33%). Mir gefällt, dass es kostengünstig ist, quasi den ganzen Markt abdeckt und dass man den Anteil an EM und Small Caps selbst regulieren kann - ansonsten wäre der ein ACWI IMI ja die einfacherer Lösung. Die 20% EM und 20% Small Cap in meinem Portfolio geben mir das Gefühl, ein bisschen Facor Investing zu betreiben -- allerdings nur durch eine leicht offensivere Gewichtung als bei Gewichtung nach Markkapitalisierung und vorallem nicht, in dem ich das Anlageuniversum begrenze. Es kann gut sein, dass laut Factor-Hypothese Value Aktien mehr bringen als Growth....aber Growth kategorisch auszuschliessen würde ja auch implizieren, dass die Diversifikation begrenzt wird. Und breite Diversifikation ist ja so ziemlich der erste Glaubsenssatz eines ETF-Anlegers. Das vorgestellte Portfolio begrenzt gar nichts, sonder bildet 99% des Markets ab. Dies ist keinerlei Anlageempfehlung meinerseits. Jede/r muss selber wissen welches Portfolio für sie/ihn das Richtige ist. Für mich ist es dieses geworden.

  • #2

    AlexJ (Montag, 22 April 2019 14:47)

    Danke dir für deinen Kommentar!

    In der Tat decken sich unsere Gedanken weitgehend, wobei ich mir durchaus vorstellen kann, irgendwann einmal Smart-Beta-ETFs zu besparen und damit die Anzahl der Unternehmen im Depot zu verringern - aber nie weniger als 1.000. Im Augenblick fühlt es sich aber für mich richtig an, so anzulegen, wie oben geschildert.

    Viel Glück mit deinem Portfolio!

  • #3

    Limuc (Dienstag, 30 April 2019 08:46)

    Vielen Dank für den gründlichen Artikel. Für mich tauchen zwei Fragen auf:
    1. Thesaurierend/Ausschütter: Ich habe für meine Enkel (jetzt 3 und 5 Jahre alt) zwei Sparpläne eingerichtet, mit sinngemäss den vorgestellten ETF, sind in dem speziellen Fall Ausschütter nicht sinnvoller? Der Freibetrag der Enkel wird schon in der Ansparzeit damit genutzt, summarisch verteilt sich die Steuer (zum Teil) über die Zeit (ich rechne mit 18 Jahren Ansparzeit).
    2. Vanguard bietet einen ETF an, der auf dem FTSE World fusst, dort sind die Emergings schon drin, gibts da Gegenargumente?

  • #4

    AlexJ (Dienstag, 30 April 2019 11:18)

    Moin Limuc, danke für deinen Kommentar und deine Fragen.

    Hier meine Antworten dazu:

    Zu 1. Dividendenausschüttungen sind ökonomisch dasselbe wie Anteilsverkäufe, in beiden Fällen sind das Portfolioentnahmen. Im Moment einer Dividendenausschüttung sinken die Aktienkurse um die Höhe der Ausschüttung. Das heißt, ob man Dividenden ausschüttet oder Anteile in entsprechender Höhe verkauft, ist völlig egal, da es in beiden Fällen Entnahmen sind: Sie reduzieren das angelegte Kapital und damit den Zinseszinseffekt und sie sorgen dafür, dass Steuern anfallen. Bei der Variante mit Thesaurier-ETFs hat man aber den Vorteil, dass man die Beträge der Entnahmen besser steuern kann - allerdings zum Nachteil, dass dabei Transaktionskosten anfallen. Dieser Punkt ist vielen Anlegern nicht klar und sie halten Dividenden für eine Art Free Lunch. Das ist aber falsch. Ich würde zum Zwecke der Erziehung dem Enkel Thesaurierer kaufen, damit er nicht denkt, dass die Börse für regelmäßiges Einkommen sorgt, und damit mehr Geld im Markt investiert ist (ich gehe davon aus, dass du die Ausschüttungen nicht reinvestieren würdest, sondern verkonsumieren bzw. deinem Enkel gibst - wenn du sie reinvestieren willst, würde ich ohnehin eher zum Thesaurierer greifen).

    Zu 2. Vanguard halte ich für ein tolles Unternehmen. Mir persönlich fallen keine Argumente gegen deren ETFs ein und viele dafür. Ich würde die Index-Familien MSCI und FTSE in meinem Depot allerdings nicht mischen, damit die automatische Anpassung funktioniert und mir nicht Regionen durch die Lappen gehen oder ich sie doppelt drin habe.

    Beispiel: Südkorea
    MSCI sagt: Emerging Market.
    FTSE sagt: Developed Market
    (Oder anders herum, habs gerade nicht mehr im Kopf.)

    Wer nun einen ETF auf den MSCI World (Developed Markets) und einen anderen auf den FTSE Emerging Market (oder wie der da heißt) kauft, der hat Südkorea NICHT im Portfolio und muss fortan ohne Samsung auskommen. Andersherum wäre Südkorea doppelt enthalten, also übergewichtet; auch nicht wünschenswert.

    Ansonsten hege ich, wie gesagt, viel Sympathie für Vanguard und auch für FTSE, auch wenn ich mich mit der Indexfamilie bisher nur am Rande befasst habe.

    PS: ich finde es stark, dass du deinem Enkel so etwas anlegst, damit wird er finanziell, mental und geistig wertvollen Input bekommen, denke ich.

  • #5

    Limuc (Dienstag, 30 April 2019 11:38)

    Vielen Dank Alex, für die prompte und umfassende Antwort; in Sachen thesaurierend vs. ausschüttend habe ich noch folgende Argumente:
    Meine Ausschüttung (MSCI world) wird natürlich besteuert - wie üblich - da aber der Freibetrag greift, ist sie steuerfrei, andererseits legt Consors aber die Ausschüttung sofort kostenfrei und in voller Höhe wieder an (so ich nicht explizit widerspreche), d.h. ich habe einen 'positiven' Steuereffekt und obendrein noch meinen Zinseszinseffekt ; ich sehe bei diesem Konstrukt einen deutlichen Steuervorteil beim Ausschütter und keinen Zinseszinsnachteil.
    Hab ich da einen Logikfehler?

  • #6

    AlexJ (Mittwoch, 01 Mai 2019 00:10)

    Das kann natürlich sein, wenn das Finanzamt da mitspielt, dass die Dividendenerträge in 18 Jahren als bereits zugeflossen gelten und du dann auf sie keine Steuern mehr zahlen musst - würde ich aber zur Sicherheit mit dem Steuerberater abklären. Einen Logikfehler sehe ich derzeit auch nicht, aber meine Hand lege ich dafür natürlich nicht ins Feuer :)

    Was die kostenlose Wiederanlage angeht: Darauf würde ich mich nicht 18 Jahre lang verlassen. Klingt für mich eher wie Marketing. Aber naja, im schlimmsten Fall entziehst du den Fonds die Dividende, schenkst sie deinem Enkel (und führst ihn direkt früh an die Sache heran) und dein Enkel hat weniger Rendite am Ende, die aber dennoch noch ordentlich sein sollte.

  • #7

    Helga (Freitag, 30 August 2019 13:49)

    Hallo,
    wie kommst du auf 20% World Small Cap ? Müssten es nicht ca. 10% sein? Übergewichtest du den SmallCap-Bereich damit der Industrieländer?
    MSCI World: 0,85*0,70 =>59,5 %
    MSCI World SC: 0,15*0,70 =>10,5%
    MSCI EM IMI: 1,00*0,30 => 30%

    Gruß Helga

  • #8

    AlexJ (Freitag, 30 August 2019 14:38)

    Genau so ist es (steht ja auch in der Artikelserie). Die Industrieländer-SCs sowie die Schwellenländer sind übergewichtet, auch zwei Gründen:

    1. Leichtes Factor Investing
    2. Die 20 % sind eine Art ungefähre Mindestgröße, um sie mit meinen Sparraten sinnvoll besparen zu können

    Übrigens: Die nach Marktkapitalisierung korrekte Aufteilung des gesamten Portfolios sähe etwa so aus:

    90 % World inkl Small Caps, wobei 14 % bzw. 15 % (da wir keine Micro Caps haben) von diesen 90 % Small Caps sein müssten
    10 % EM auch inkl Small Caps