Logbuch meines ETF-Weltportfolios: Erste Erfahrungen eines Anfängers

Mein ETF-Weltportfolio zur Altersvorsorge ist eingerichtet und die ersten Monate sind vergangen. Hier meine Erfahrungen damit.

3 Wochen nach Beginn

Stark gestartet, wichtig für die Psyche, wenn auch irrelevant für mein Vorhaben. Ich hätte sogar nichts gegen einen Crash jetzt in der sehr frühen Ansparphase einzuwenden, aber man kann es sich nicht aussuchen. Wobei ein Crash doch blöd gewesen wäre.

 

Fazit: Egal, wie meine ETFs performen, es ist immer falsch. Solche Gedanken wegwischen. Kann den Markt nicht beeinflussen, deshalb ist der richtige Zeitpunkt zum Investieren: immer.

 

Auf Tagesbasis unterscheidet sich die Entwicklung der ETFs von der ihrer Referenzindizes. Das mittelt sich langfristig aus, das muss besonders der Anfänger sich immer wieder klarmachen.

 

Ich gucke mehrfach täglich ins Portfolio.

 

An unterschiedlichen Börsenplätzen wird ein ETF zu einem gegebenen Zeitpunkt zu leicht unterschiedlichen Kursen gehandelt. Irritierend.

 

Es ist nicht schwer, ein Depotvolumen zu erreichen, das täglich stärker schwankt, als man im normalen Angestelltenverhältnis in derselben Zeit netto verdient.

 

Nehmen wir der Einfachheit halber ein monatliches Netto-Gehalt von 2.000 Euro an. Bei etwa 20 Arbeitstagen pro Monat ergeben sich 100 Euro Verdienst pro Tag. Ein Depot, das handelstäglich um 0,3 % schwankt, müsste nur rund 35.000 Euro groß sein, um diese 100 Euro in beide Richtungen zu erreichen.

 

Es gibt also nicht wenige Tage, an denen man an der Börse so viel oder sogar mehr verliert, als man durch Erwerbsarbeit gewinnt. Umsonst gearbeitet und noch draufgezahlt. Klar: Ab und an verdoppelt sich auch das tägliche Netto-Einkommen. Solche Betrachtungen darf man eigentlich nicht anstellen, weil sie das Vertrauen in die langfristige Überlegenheit der eigenen Strategie, also in die leicht positive Drift bei aller krassen Volatilität, auf irrationale Weise untergraben.

5 Wochen nach Beginn

Heute ist mein Emerging-Markets-ETF abgerutscht, am Ende stand er gut 3 % im Minus. World und Small Cap drehten im Laufe des Tages ebenfalls nach Süden. Habe gutes Geld verloren. Es zwickt, obwohl ich insgesamt noch schön im Gewinn liege.

 

Ursache? Was weiß ich. Erster, kleiner, winziger Test meiner Risikotragefähigkeit. Der Markt massiert mich etwas heftiger. Schön, dass er mir erlaubt, mich nach 17 Jahren Pause wieder langsam an seine Schwankungen zu gewöhnen. Ich darf mich hoffentlich behutsam an einen richtigen Crash herantasten. Mal sehen, wann er kommt, wie schlimm er wird und wie lange er dauert.

 

Ein Bekannter hat hinsichtlich Zeitpunkt, Struktur und Volumen ein ähnliches Weltportfolio wie ich gestartet. Sprechen einander Mut zu, grinsen drüber.

2 Monate nach Beginn

Ich nehme eine innere Distanz zu meinem Portfolio ein, das Sümmchen wird so abstrakt, wie es vorher auf dem Konto schon immer war. Es ist mein Geld, aber ich komme nicht heran, kann nicht darüber verfügen. Es soll jetzt mal vor sich hin schwanken. Ich hab das jetzt und bespare es, kümmere mich im Alltag aber immer weniger darum. Werde ruhiger, gelassener.

3 Monate nach Beginn

Das Depot bricht schlagartig ein und befindet sich jetzt erstmalig leicht im Verlust. Allein an einem Tag waren es etwa 3 Prozent. Ich habe das Geld innerlich ohnehin abgehakt für die nächsten mindestens 20 Jahre und glaube nach wie vor an die Richtigkeit meiner Strategie.

5 Monate nach Beginn

Verluste sind weitgehend wieder ausgeglichen, es bleibt ein stetiges Auf und Ab. Trotzdem kehrt eine völlige innere Ruhe ein und es bleibt nachhaltige Freude über den Schritt.

 

 

Dieser Beitrag ist Bestandteil einer Serie über ein ETF-Weltportfolio zur Altersvorsorge.

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