Diversifikation fürs Portfolio: 5 Gründe, warum du mit 20 Aktien niemals ausreichend streust

Manche Anleger, die vom passiven Investieren grundsätzlich überzeugt sind, glauben, dass es mit 20 Einzelaktien umsetzbar ist, weil sie so bereits eine gute Diversifikation ihres Portfolios erreichen und daher auf ETFs verzichten können. Das ist ein Irrtum.

5 Gründe, warum 20 Aktien für eine gute Portfolio-Diversifikation nicht ausreichen

1. Ein Korb aus 20 Aktien läuft Gefahr, die wenigen guten Performer und kurzen, entscheidenden Marktsteigerungen zu verpassen

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ein Großteil der Rendite eines Marktes durch extrem wenige Aktien in sehr kurzen Zeitspannen entsteht. Wer will sich anmaßen, diese Papiere und Phasen genau abzupassen und die anderen auszuklammern, und das über mehrere Jahrzehnte, um den Markt abzubilden bzw. sogar zu schlagen (Alpha zu generieren)? Zur Orientierung: Wir sprechen über ein vernünftig investierbares Anlageuniversum aus etwa 9.000 Einzeltiteln. Finde für dein Portfolio die 20 besten oder auch nur welche, die immerhin die Marktrendite abbilden, aus 9.000! Schaffe das, was Millionen hauptberuflichen „Börsenprofis“ und Millionen Laien mit ihren typischen 20-Werte-Depots nachweislich nicht gelingt!

 

Passive Anleger wissen: Empirisch und rein sachlogisch ist klar belegt, dass aktives Investieren nicht systematisch funktioniert, also kein Alpha auf Basis von Kompetenzen generiert und sogar erheblich schlechter als passives abschneidet, also weit unter der Marktrendite performt. Ohne Wenn und Aber. 20 Aktien kaufen zu wollen, womöglich noch in einer günstigen allgemeinen Marktlage, ist aktives Investieren vom Feinsten: Stock Picking und Market Timing. Ein Verliererspiel.

2. Es gibt mehr als 20 Länder, in die investiert werden könnte

Wer 20 Aktien im Depot hält, kann nicht einmal in alle Industrie- und Schwellenländer investieren, denn davon gibt es nach MSCI-Einteilung inzwischen 49 (Stand 09/2019). Jedes Land, das sich nicht im Portfolio befindet, bedeutet eine aktive Spekulation gegen dieses Land und für die anderen.

Eine ausreichende Diversifikation ist mit 20 Aktien außerdem hinsichtlich folgender Kriterien unmöglich:

3. Innerhalb einzelner Staaten

Man braucht wohl rundweg 20 Aktien pro Staat, um auch nur ansatzweise vernünftig zu diversifizieren. Bei knapp 50 Staaten ergeben sich also mindestens 1.000 verschiedene Unternehmen (das empfiehlt auch Gerd Kommer). Das ist jedoch eine absolute Untergrenze, mir persönlich zu wenig.

 

Rein rechnerisch - nicht empirisch - sind es bei den Indizes so viele Unternehmen pro im jeweiligen Index enthaltenen Land (Stand: 9/2019):

  • MSCI World : 72
  • MSCI World Small Cap: 189.
  • Da World und World Small Cap identische Staaten zur Grundlage haben, dürfen wir sie zusammenrechnen: 261
  • MSCI Emerging Markets IMI: 109

Von Land zu Land schwankt die Anzahl natürlich um diese Mittelwerte und auch die Gewichtung der einzelnen Titel innerhalb eines Landes fällt sehr unterschiedlich aus. Die auf den jeweiligen Index laufenden ETFs enthalten außerdem in der Regel weniger Werte, zumindest bei den großen Indexen. Trotzdem zeigen die errechneten Unternehmenszahlen ganz andere Dimensionen der Diversifikation, wenn ETFs genutzt werden.

 

Ein Depot aus tausenden Einzeltiteln ist natürlich nicht mehr mit vernünftigen Kosten und Aufwänden zu erstellen und zu betreiben, wenn der Depotwert unter vielleicht 25 Millionen Euro liegt.

4. Innerhalb einzelner Branchen

MSCI kennt derzeit 11 verschiedene Branchen bzw. Sektoren. Das wäre mit 20 Aktien also abzudecken. Aber pro Branche könnten durchschnittlich nicht einmal 2 verschiedene Unternehmen gekauft werden. Es soll ja vorkommen, dass zwei Unternehmen aus einer Branche sich verabschieden oder in Trubel geraten, obwohl die Branche selbst gar nicht so übel läuft.

5. Innerhalb einzelner Unternehmensgrößen

MSCI unterscheidet 4 Unternehmensgrößen, von denen die ersten 3 vernünftig investierbar sind:

  • Large Caps
  • Mid Caps
  • Small Caps
  • Micro Caps

Man könnte mit 20 Aktien also knapp 7 Stück pro Unternehmensgröße integrieren - kolossal wenig.

Weitere Anmerkungen zur Diversifikation des Portfolios mit 20 Aktien

  1. Wollte ein Anleger nicht nur einzelne, sondern alle genannten Diversifikationshinsichten mit einem aus 20 Titeln bestehenden Portfolio berücksichtigen, was der Vernunft entspräche, dann käme er auf ein enormes Komplexitätsniveau – vermutlich wäre das überhaupt nicht zu realisieren, Aporien-Flut. Das ist ein weiterer Punkt, der unabhängig von der grundsätzlich mangelhaften Diversifikation gilt: Es ist wohl schlicht gar nicht oder nur unter monströsem Aufwand machbar, weil man keine oder kaum 20 Unternehmen findet, die die Hinsichten auf sich vereinen.

  2. Selbst wenn man 20 in der langen Vergangenheit niedrig korrelierende Einzeltitel auswählt, sagt das nichts über die Zukunft aus, weil die zahlreichen Einzeltitelrisiken bei 20 Werten hart durchschlagen.

  3. Bei einem Portfolio aus 20 Aktien hat jede einzelne durchschnittlich 5 % Gewicht. Für mich klar zu viel. Die 10 größten Werte sollten zusammen meines Erachtens nicht mehr als etwa 15 % Anteil am Gesamtdepot erhalten, und danach muss es rapide abwärts gehen mit der Bedeutung des Einzelwertes. Das sind selbstgebastelte, intuitive Heuristiken, zu denen mir keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen.

Ich biete dir eine Wette an

Ich bin jederzeit zu folgender Wette bereit:

 

Mein Buy-and-Hold-Weltportfolio gegen jedes Portfolio aus 20 Werten, die während der 25-jährigen Laufzeit so oft gehandelt und gegen andere getauscht werden dürfen, wie es dem Wettgegner beliebt.

 

Das Depot aus 20 Aktien muss, damit die Benchmark stimmt, dieselbe Gewichtung haben wie mein Weltportfolio. Die prozentuale Verteilung des Anlagevermögens soll also jederzeit der prozentualen Verteilung meines Depots entsprechen. Wie viele Unternehmen aus den jeweiligen Indizes gekauft werden, ist die freie Entscheidung meines Wettgegners (logischerweise muss es mindestens ein Unternehmen pro Index sein).

 

Prophezeiung:

 

Ich weise bei einem geringeren Risiko in 8 bis 9 von 10 Fällen eine höhere Netto-Real-Rendite auf, also nach Kosten, Steuern und Inflation.

 

Wer traut sich?

 

Zum Weiterlesen: Ein Artikel zur Diversifikation mit Einzeltiteln vs. ETFs vom Finanzwesir Albert Warnecke.

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